Er ist grellgelb, wächst rasant und kennt kaum Konkurrenz: Der Zitronengelbe Seitling, auch Goldener Austernpilz genannt, sorgt aktuell für große Sorgen unter Forschern. Ursprünglich aus Asien stammend, wurde Pleurotus citrinopileatus in den 2000er-Jahren in den USA gezüchtet – und ist längst außer Kontrolle geraten.
Was harmlos klingt, hat massive Folgen. Der Pilz breitet sich explosionsartig aus, bildet riesige Büschel aus Fruchtkörpern und schleudert Milliarden Sporen in die Luft.
Mittlerweile ist der invasive Pilz nicht nur in Nordamerika verbreitet. Auch in Europa taucht er immer öfter auf, berichtet BBC – in Italien, Ungarn, Deutschland und sogar in der Schweiz wurde er gesichtet. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis die auffälligen Schwammerl auch in österreichischen Wäldern auftauchen.
Besonders problematisch: Er verdrängt heimische Pilzarten. Untersuchungen zeigen, dass von Pleurotus citrinopileatus befallene Bäume im Schnitt nur noch eine halb so hohe Biodiversität beherbergen.
Das bringt ganze Ökosysteme ins Wanken. Denn Pilze sind entscheidend für den Abbau von Totholz, den Nährstoffkreislauf und sogar für das Wachstum neuer Pflanzen. Experten warnen: Wenn sich die Zusammensetzung verändert, kann das weitreichende Folgen haben – bis hin zu mehr CO₂-Ausstoß durch schnelleren Holzabbau.
Die britische The Royal Horticultural Society stuft die Art deshalb als "hochinvasiv" und potenziell "schwer schädigend" für die heimische Vielfalt ein. Sie rät deshalb dringend davon ab, fremde Pilzarten im Garten oder auf dem Balkon zu züchten.
Doch der Goldgelbe Austernpilz ist nicht allein. Die nordamerikanische Falsche Rotkappe (Aureoboletus projectellus) ist kürzlich erstmals im UNESCO-geschützten Białowieża-Urwald an der Grenze zwischen Polen und Belarus aufgetaucht.
Die polnische Forstbehörde schlug Alarm: "Das Auftreten [des Pilzes] in einer Region mit einem wertvollen Naturgebiet wie dem Białowieża-Urwald ist ein Warnsignal – die Natur verändert sich, und fremde Arten dringen immer häufiger in unsere Umwelt ein". Jede Sichtung des Pilzes solle sofort gemeldet werden.
Das passiert weltweit – auch begünstigt durch den Klimawandel. Höhere Temperaturen erleichtern es manchen Arten, neue Lebensräume zu erobern.
Ein plakatives Beispiel dafür ist der Orangerote Porenhelmling (Favolaschia calocera). Er stammt ursprünglich aus dem tropischen Madagaskar, macht es sich aber inzwischen auf allen fünf Kontinenten – darunter sogar im südenglischen Dorset – bequem. Auch er ist teilweise als invasiver Neomycet gefürchtet.