Tropische Regenwälder zählen zu den artenreichsten Lebensräumen der Erde – doch sie sind massiv bedroht. Immer wieder werden Flächen gerodet, um Platz für Landwirtschaft oder Weiden zu schaffen. Was danach passiert, gerät oft aus dem Blick. Kann sich die Natur überhaupt wieder erholen – und wenn ja, wie schnell?
Eine neue Untersuchung aus Ecuador liefert darauf nun überraschend konkrete Antworten. Im Waldschutzgebiet Canandé zeigt sich: Die Natur ist widerstandsfähiger, als viele denken – braucht aber Zeit.
Die Ergebnisse sind bemerkenswert: Auf verlassenen Weiden und ehemaligen Kakaoplantagen erreicht der Regenwald bereits nach rund 30 Jahren wieder etwa 90 Prozent seiner ursprünglichen Artenvielfalt und Biomasse. Ein Großteil der ökologischen Funktionen kehrt innerhalb weniger Jahrzehnte zurück – vorausgesetzt, die Flächen werden sich selbst überlassen.
Allerdings zeigt die Studie auch, dass nicht jede Fläche gleich schnell regeneriert. Entscheidend ist, wie stark sie zuvor genutzt wurde. Ehemalige Kakaoplantagen erholen sich besonders rasch: Hier dauert es oft nur drei bis fünf Jahre, bis sich Artenvielfalt und Individuenzahlen deutlich stabilisieren.
Ganz anders sieht es bei früheren Weideflächen aus. Durch intensive Nutzung und Bodenverdichtung brauchen diese deutlich länger – im Schnitt 20 bis 25 Jahre, bis sich erste Erfolge zeigen.
Am langsamsten kehrt das Pflanzenleben zurück – vor allem Bäume benötigen Jahrzehnte, um sich vollständig zu regenerieren: So nähert sich die Zusammensetzung junger Baumarten erst nach rund 60 Jahren dem Zustand ursprünglicher Wälder an – auf ehemaligen Weiden dauert es sogar mehr als ein Jahrhundert.
Bei ausgewachsenen Bäumen liegt die vollständige Erholungszeit bei etwa 90 bis 100 Jahren – unabhängig davon, wie die Fläche zuvor genutzt wurde.
Viele Tierarten kehren offenbar schneller zurück als Pflanzen. Fledermäuse, Bienen und andere Organismen finden sich in regenerierenden Wäldern deutlich früher wieder ein. Die Studie zeigt damit, dass aufgegebene Agrarflächen durchaus wichtige Refugien für die Biodiversität werden können – vorausgesetzt, man gibt der Natur genügend Zeit.