Fashion Week in Paris

"Unmöglich" – Couture kennt keine Grenzen mehr

Paris staunt über Latex, Silikon und Federn. Die Couture erfindet sich neu – zwischen Kunst, Wahnsinn und Handwerkskunst.
Christine Scharfetter
14.07.2026, 06:45
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Die Pariser Haute-Couture-Woche beweist einmal mehr: Stillstand ist in der höchsten Form der Mode ein Fremdwort. Statt klassischer Ballroben dominieren synthetische Materialien, skulpturale Silhouetten und künstlerische Experimente die Laufstege. Von Schiaparellis Tiefsee-Fantasien über Chanels Märchenwald bis hin zu Balenciagas alltagstauglicher Couture in neuer Dimension – die Designer zeigen, wohin sich die Luxusmode bewegt.

Schiaparelli: Der Sprung in den Abgrund

Den spektakulärsten Auftakt lieferte Schiaparelli unter Kreativdirektor Daniel Roseberry. Seine Kollektion "The Abyss" (Der Abgrund) entführte das Publikum in die geheimnisvolle Welt der Tiefsee. Tentakel, Korallen und Quallen wurden zu tragbaren Kunstwerken, während Latex, Silikon und gehärtete Farbschichten klassische Couture-Materialien wie Seide oder Satin ersetzten.

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Roseberry beschreibt die Kollektion als bewusste Abkehr von kreativen Formeln. "Formeln sind die Antithese der Magie des Schaffens", erklärt der Designer. Schönheit entstehe nicht allein durch edle Materialien, sondern durch die Vorstellungskraft, die sie neu erfindet. "Vielleicht ist dies Elzas größtes Erbe: die Überzeugung, dass das Unmögliche selbst eine kreative Methode sein kann."

Das Ergebnis: spektakuläre Silhouetten mit subtil integrierten LEDs, die die Biolumineszenz von Tiefseewesen nachahmen, Latexjacken mit skulpturalen Tentakeln und Kleider, deren Texturen an Quallen oder Korallen erinnern. Der absolute Höhepunkt war eine Korallen-Robe, für die unglaubliche 9.850 Arbeitsstunden investiert wurden. Die technische Perfektion tritt dabei fast hinter der poetischen Wirkung zurück.

Chanel: Haute Couture wird erwachsen

Ganz anders präsentierte sich Chanel. Matthieu Blazy verwandelte den Laufsteg in einen märchenhaften Wald voller Blüten, Stickereien und Federn.

Seine Couture wirkt reifer und moderner als je zuvor. Statt opulenter Abendroben dominieren elegante Kostüme, Mäntel und feinste Transparenzen. Die Raffinesse offenbart sich erst beim zweiten Blick: Unsichtbare Handarbeit, perfekte Schnitte und filigrane Details machen jedes Modell zu einem Meisterwerk. Blazy beweist, dass Luxus nicht laut sein muss.

Balenciaga: Pierpaolo Piccioli bringt neue Dimensionen

Mit Spannung wurde das Couture-Debüt von Pierpaolo Piccioli für Balenciaga erwartet – und der Italiener enttäuschte nicht. Der Designer interpretiert die legendären Codes des Hauses völlig neu. Strenge Architektur trifft auf fließende Stoffe, Transparenz und überraschende Leichtigkeit. Sein Ziel: Haute Couture aus dem Elfenbeinturm holen.

"Ich wollte das Bild der Frau im Abendkleid in etwas Cooleres verwandeln", erklärt Piccioli. Couture müsse heute nicht mehr unnahbar wirken, sondern könne selbstverständlich Teil des echten Lebens sein, so seine Meinung. Wie eines der gigantischen Federteile in der U-Bahn kommt, wenn man damit zwei Plätze einnimmt, hat er selbst vermutlich nicht getestet.

Nichtsdestotrotz zählt zu den eindrucksvollsten Looks ein elfenbeinfarbener Mantel über einer mit Organza-Blüten bestickten roten Hose. Für Staunen sorgte außerdem Gigi Hadid, deren skulpturales Feder-Bustier Kopf und Oberkörper vollständig umhüllte und für neue Dimensionen sorgte. Gemeinsam mit Star-Hutmacher Philip Treacy entstanden zudem spektakuläre Kreationen, bei denen Hut und Kleidungsstück nahezu miteinander verschmelzen.

Dior: Wenn Kunst zur Couture wird

Bei Dior stand Kunst im Mittelpunkt. Ausgangspunkt der Kollektion war die Zusammenarbeit mit der amerikanischen Bildhauerin Lynda Benglis, deren organische Skulpturen und Naturformen Jonathan Anderson inspirierten.

Das Couture-Atelier übersetzte Benglis' Formensprache in beeindruckende Handwerkskunst. Mäntel und Blazer wurden mit Farnmotiven verziert, Kleider öffneten sich wie Blütenkelche und zarte Hüte erinnerten an Blütenblätter. Selbst die kunstvollen Fächer wurden zu kleinen Skulpturen und verwischten die Grenze zwischen Mode und Kunst.

{title && {title} } kiky, {title && {title} } 14.07.2026, 06:45
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