Jahrelang schien der Push-up-BH aus der Mode verschwunden zu sein. Bequeme Bralettes, Soft-BHs oder der No-Bra-Look bestimmten die Trends, Komfort war wichtiger als ein perfekt geformtes Dekolleté. Doch jetzt dreht sich das Modekarussell erneut: Der Push-up-BH feiert sein großes Comeback – und mit ihm eine Silhouette, die viele schon längst in den 2000ern zurückgelassen glaubten.
Mode bewegt sich in Zyklen – und das gilt auch für Dessous. Der klassische Push-up-BH erlebt derzeit ein Revival. Tiefe Ausschnitte, figurbetonte Oberteile und der anhaltende Y2K-Trend sorgen dafür, dass das Dekolleté wieder stärker in Szene gesetzt wird.
Dabei ist der Trend alles andere als neu. Die Vorstellungen davon, wie ein weiblicher Körper idealerweise aussehen soll, haben sich über Jahrzehnte immer wieder verändert. Mal galt eine möglichst üppige Oberweite als Schönheitsideal, später waren androgyne Silhouetten gefragt. Heute wechseln die Trends oft innerhalb weniger Jahre.
Seinen wohl größten Auftritt hatte der Push-up-BH in den 1990er-Jahren. Der legendäre Wonderbra wurde damals zum Symbol einer Ära, in der ein betontes Dekolleté als Ausdruck von Selbstbewusstsein und Weiblichkeit gefeiert wurde.
Später folgte der Gegentrend: Schmale, fast jungenhafte Silhouetten dominierten die Laufstege. Danach prägte die Kardashian-Ära wieder kurvige Körperbilder. Nun scheint sich das Pendel erneut in Richtung betonter Weiblichkeit zu bewegen.
Dass der Push-up-BH wieder stärker gefragt ist, beobachten auch große Wäschemarken. Einen regelrechten Boom gibt es zwar nicht, doch das Modell bleibt fester Bestandteil vieler Kollektionen: "Silhouetten aus den späten 90ern und frühen 2000ern prägen momentan die Mode. Tiefe Ausschnitte, enge Oberteile und körpernahe Schnitte sorgen ganz automatisch für mehr Interesse am Push-up", erklärt Patricia Beurskens, Creative Brand Director von Hunkemöller, gegenüber "20 Minuten".
Gleichzeitig betont sie, dass Frauen heute nicht mehr einem einzigen Schönheitsideal folgen müssten. Vielmehr werde Lingerie zunehmend als Ausdruck der eigenen Persönlichkeit verstanden – je nach Stimmung, Outfit oder Anlass.
Kaum eine Marke steht so sehr für den Push-up-BH wie Victoria's Secret. Anfang der 2010er-Jahre galt der berühmte "Bombshell"-BH als Must-have, die legendären Fashion Shows prägten das Schönheitsideal einer ganzen Generation. Doch mit dem Wandel der Körperbilder verlor die Marke an Strahlkraft. 2016 warb Victoria's Secret sogar mit dem Slogan "No Padding Is Sexy Now". Wenige Jahre später wurde die berühmte Modenschau eingestellt.
Inzwischen scheint sich das Blatt erneut zu wenden. Die Fashion Show ist zurück und auch wirtschaftlich läuft es für das Unternehmen wieder besser. Laut der "Berliner Zeitung" legte der Umsatz von Victoria's Secret im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu.
Dass der Push-up-BH jetzt wieder auftaucht, ist wohl mehr als nur Nostalgie. Es zeigt, dass sich das Körperbild erneut verändert. Nach Jahren voller Bralettes, Soft-BHs und No-Bra-Looks kommt jetzt wieder ein BH-Stil zurück, der formt, hebt und betont. Gerade jetzt, wo auf Social Media zwischen Tradwife-Ästhetik, Y2K-Nostalgie und dem Wunsch, den eigenen Körper bewusst zu inszenieren, wieder mehr mit klassischen Weiblichkeitsbildern gespielt wird.