Jugendliche aus betreuten WGs, darunter angeblich auch Intensivtäter, werden von der Kinder- und Jugendhilfe (MA 11) jedes Jahr auf Urlaub geschickt. Doch statt an den Schotterteich oder ins Waldviertel geht es für die Problem-Kids nach Madeira, Skandinavien oder ans Mittelmeer, wir berichteten.
"Heute" recherchierte die Hintergründe, fragte, wie es dazu kommt. Laut MA-11-Sprecherin Ingrid Pöschmann handelt es sich um erlebnispädagogische Projekte für Kinder die in "hochkarätigen Wohnsettings" untergebracht sind. "Sie fahren auf Urlaub, wie andere Kinder auch", so Pöschmann zu "Heute". Hintergrund sei, dass die Betroffenen oft aus einem problematischen Umfeld stammen. "Dieses wirkt oft stark auf sie ein, deshalb bringt man sie raus aus Österreich."
Ein Auslandsaufenthalt sei keine Belohnung, sondern "eine intensiv betreute pädagogische Maßnahme für wenige, sorgfältig ausgewählte Einzelfälle". Pro Jahr sind vier Kinder und Jugenliche zwischen 12 und 15 Jahren mit dem Schulschiff "Noah" unterwegs. Dort werden sie auch unterrichtet. In den letzten Jahren war laut MA 11 höchstens ein Kind bzw. Jugendlicher bei Partnervereinen auf Madeira. Im Jahr 2025 war kein Kind aus einer MA-11-WG auf Madeira. Die Auslandsaufenthalte dauern zwischen sechs Wochen und 9 Monate.
Die Kosten (Tagsätze) bewegen sich – abhängig vom jeweiligen Betreuungsbedarf und der Betreuungsintensität – zwischen rund 200 und 1.400 Euro pro Tag, heißt es aus der MA 11. "Zusätzlich können im Einzelfall An- und Rückreisekosten anfallen."
"Es kommt nur dann in Betracht, wenn nach fachlicher Einschätzung andere Unterstützungsangebote nicht den erforderlichen Erfolg versprechen und ein sogenannter Systembruch notwendig ist, um destruktive Verhaltensmuster zu durchbrechen und eine Stabilisierung zu ermöglichen", so Pöschmann.
"Ziel ist es, den Minderjährigen neue Perspektiven zu eröffnen, ihre Selbstständigkeit und sozialen Kompetenzen zu stärken sowie einer weiteren Eskalation oder Delinquenz entgegenzuwirken. Auslandsmaßnahmen kommen ausschließlich in begründeten Einzelfällen und nach sorgfältiger fachlicher Prüfung zum Einsatz."