Streit zwischen Bundesländern

Dieses neue Bezahlsystem will Ludwig für Gastpatienten

Wiens Bürgermeister Ludwig (SPÖ) fordert eine Direktverrechnung zwischen den Ländern. Bezahlen soll künftig das Bundesland, in dem der Patient wohnt.
Wien Heute
11.08.2026, 13:38
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) macht im Streit um die Finanzierung von Gastpatienten Druck. Weil Wien jedes Jahr hohe Kosten für Patienten aus anderen Bundesländern trägt, schlägt der Stadtchef nun eine Direktverrechnung zwischen den Ländern vor.

"Die Gesundheit der Menschen steht für mich an oberster Stelle. Jeder Mensch hat die beste Gesundheitsversorgung verdient, unabhängig von der Postleitzahl am Meldezettel. Ich kann sehr gut verstehen, dass die Menschen dort hingehen, wo sie die beste Gesundheitsversorgung haben. Dass das Wien ist, ist kein Zufall.", so Ludwig.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

610 Millionen Euro bleiben an Wien hängen

Hintergrund sind die Kosten für sogenannte Gastpatienten, also Menschen, die in einem anderen Bundesland medizinisch behandelt werden als jenem, in dem sie wohnen. In Wien verursachen diese Patienten laut Angaben der Stadt mittlerweile Kosten von mehr als 1,1 Milliarden Euro pro Jahr.

Dem stehen demnach 143 Millionen Euro gegenüber, die Wiener Patienten bei Behandlungen in anderen Bundesländern verursachen. Selbst unter Berücksichtigung zusätzlicher Mittel aus dem Finanzausgleich würden Wien laut Stadt noch rund 610 Millionen Euro an Kosten bleiben.

Derzeit werden bestimmte Bundesländer über vordefinierte Pauschalbeträge für die Versorgung von Gastpatienten entschädigt. Aus Sicht des Wiener Stadtchefs bildet dieses System die tatsächlichen Patientenströme und Kosten nicht mehr ausreichend ab.

So soll das neue Modell funktionieren

Ludwigs Vorschlag: Die bisherigen Pauschalbeträge sollen abgeschafft werden. Stattdessen sollen die Bundesländer die Mittel zur Gesundheitsversorgung zunächst entsprechend ihrer Bevölkerungszahl erhalten.

Patienten könnten weiterhin dort behandelt werden, wo es medizinisch sinnvoll und wohnortnah möglich ist. Am Jahresende würde dann abgerechnet: Das Bundesland, in dem ein Gastpatient seinen Wohnsitz hat, bezahlt die Behandlungskosten an jenes Land, in dem die medizinische Leistung tatsächlich erbracht wurde.

"Mein Ziel ist, dass wir eine solche Lösung so schnell wie möglich zustande bringen, denn sie hätte Vorteile für alle Beteiligten. Für die Patientinnen und Patienten herrscht Klarheit. Für die Bundesländer herrscht Fairness und Transparenz. Ich bin überzeugt, dass alle Menschen ein solches System für völlig nachvollziehbar halten. Die Formel ist ganz einfach: Geld folgt Leistung.", so der Bürgermeister.

Gesundheitsregion Ost weiter am Tisch

Langfristig setzt Ludwig weiterhin auf eine gemeinsame Gesundheitsregion von Wien, Niederösterreich und dem Burgenland. Gesundheitsversorgung, Finanzierung und Planung sollen dabei über die Ländergrenzen hinweg gemeinsam organisiert werden. Weil eine rasche Umsetzung derzeit nicht absehbar ist, soll die Direktverrechnung als Zwischenlösung dienen.

"Ich habe als Lösung einen pragmatischen Vorschlag gemacht: Die Schaffung einer Gesundheitsregion Ost. Die Bevölkerung in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland ist so eng miteinander verflochten, und von daher habe ich vorgeschlagen, die Gesundheitsversorgung gemeinsam zu planen, zu finanzieren und zu steuern. Denn diese Herausforderung kann nur im Miteinander gelingen.", so Ludwig.

Auch Salzburg und Tirol seien laut den Angaben mit ähnlichen Herausforderungen bei Gastpatienten konfrontiert.

Ludwig pocht auf überregionale Planung

Der Wiener Bürgermeister will generell mehr Zusammenarbeit über die Landesgrenzen hinweg. Entscheidend sei, dass Reformen am Ende tatsächlich bei den Patienten ankommen: "Das Wichtigste bei allen Reformvorschlägen in der Gesundheit war: Die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung muss sich tatsächlich verbessern. Alle eingebrachten Vorschläge habe ich nach genau diesem Maßstab bewertet. Deshalb bin ich weiterhin überzeugt davon, dass Planung, Finanzierung und Steuerung künftig überregionaler stattfinden sollen und dafür müssen wir die Strukturen schaffen", so Wiens Bürgermeister.

Wien baut Gesundheitsversorgung aus

Parallel dazu will Wien die eigene Gesundheitsversorgung weiter ausbauen. Rund 3,3 Milliarden Euro fließen laut Stadt in die Erneuerung der städtischen Spitäler. Derzeit gebe es außerdem rund 80 regionale Gesundheitszentren, unter anderem mit Schwerpunkten auf Primärversorgung, Frauen, Kinder, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Diabetes und Wundheilung.

Bis 2030 soll deren Zahl auf rund 170 steigen. Ebenfalls bis 2030 sollen in Wien rund 16.000 Pflegekräfte ausgebildet werden.

Teil der Reformpläne sind zudem ein österreichweit einheitlicher Leistungskatalog und eine gemeinsame eHealth-Agentur. Mit einer stärkeren Patientenlenkung nach dem Prinzip "Digital vor ambulant vor stationär" sollen unnötige Wege, Mehrfachbefunde und Wartezeiten reduziert werden.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 11.08.2026, 13:41, 11.08.2026, 13:38