Die Debatte um eine Sonntagsöffnung im Handel sorgt weiter für Wirbel. Nun spricht sich auch der Sozialdemokratische Wirtschaftsverband Wien (SWV WIEN) entschieden gegen längere Öffnungszeiten aus. Die Interessenvertretung warnt vor Nachteilen für kleine Geschäfte und den Wiener Mittelstand.
"Eine Sonntagsöffnung hilft weder dem Handel noch den kleinen Betrieben – sie verschiebt lediglich Umsätze und gefährdet bewährte Wiener Strukturen."
Für Markus Hanzl, Spartenvorsitzender Handel im SWV WIEN, würde eine Lockerung der Regeln vor allem große Handelsketten begünstigen. "Heute spricht man von eigentümergeführten Geschäften ohne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Morgen werden die großen Handelsketten dieselben Rechte einfordern. Der Druck auf die kleinen Händlerinnen und Händler würde dadurch massiv steigen. Wer am Sonntag geschlossen hält, verliert Kundschaft – wer aufsperrt, verliert den einzigen gemeinsamen freien Tag. Gewinner wären am Ende die großen Konzerne, nicht der Wiener Mittelstand."
„Die Kaufkraft der Menschen steigt nicht, nur weil Geschäfte länger geöffnet haben“Marko FischerSWV-WIEN-Präsident
Auch wirtschaftlich bringe eine Sonntagsöffnung laut SWV WIEN keinen Vorteil. "Die Kaufkraft der Menschen steigt nicht, nur weil Geschäfte länger geöffnet haben. Die Umsätze verteilen sich auf mehr Stunden und mehr Öffnungstage. Das bedeutet höhere Kosten für die Betriebe, aber nicht automatisch höhere Einnahmen", sagt SWV-WIEN-Präsident Marko Fischer.
Sorge bereitet dem Verband zudem die Zukunft der Wiener Märkte. "Unsere Jahrmärkte, Flohmärkte und Wochenmärkte machen Wien einzigartig. Sie sind weit mehr als Einkaufsorte - sie sind Treffpunkte, Tourismusmagnete und wichtige wirtschaftliche Standbeine für viele Kleinunternehmerinnen und Kleinunternehmer. Eine flächendeckende Sonntagsöffnung des Handels würde diese gewachsenen Strukturen unter Druck setzen und ihre Attraktivität nachhaltig schwächen", so Hanzl.
Statt einer Ausweitung der Öffnungszeiten fordert der SWV WIEN andere Maßnahmen zur Entlastung des Handels. "Der Handel kämpft mit hohen Personal- und Energiekosten, sinkender Kaufkraft und zunehmender Bürokratie. Was unsere Betriebe brauchen, sind niedrigere Lohnnebenkosten, weniger Bürokratie und eine Stärkung der Kaufkraft – keine Sonntagsöffnung", fordert Fischer.