Nach einem halben Jahr liegt der Entwurf zur Wehrdienstreform nun endlich auf dem Tisch – doch die Kritik lässt nicht lange auf sich warten. Besonders scharf fällt sie bei den Wiener Grünen aus: Der jüngste Landtagsabgeordnete Österreichs, Theo Löcker (22), bezeichnet die präsentierte Reform als "Farce". Eine Verlängerung oder Verkürzung der Dienstzeit lenke lediglich von den eigentlichen Problemen ab, sagt er.
Der Kompromiss der Koalition: Der Grundwehrdienst soll um drei Monate Truppenübungen verlängert und mit höherer Bezahlung (1.000 Euro) und Urlaubsanspruch attraktiver werden. Der Zivildienst soll weiterhin neun Monate dauern, und um zwei Monate freiwillig verlängert werden können. Sollte die Zahl der verfügbaren Grundwehrdiener allerdings nicht ausreichen, soll die Verlängerung des Zivildienstes verpflichtend werden.
Für Löcker ein "Eingeständnis, dass man es nicht auf die Reihe kriegt." "Wenn der Zivildienst und der Grundwehrdienst gleich lang wären und die Männer sich nicht für den Grundwehrdienst entscheiden, dann muss ich mir doch die Frage stellen, warum gehen sie nicht zum Heer, sondern zum Zivildienst?", so Löcker im "Heute"-Interview.
Mehr Geld und Urlaubstage bringen wenig, meint er. Man müsse die eigentlichen Probleme angehen. "Viele gehen hin und müssen sich sechs Monate anschreien lassen oder den Kasernenhof putzen und haben nicht das Gefühl mit ihrem Dienst einen Beitrag zur Sicherheit und zur Verteidigung der Republik zu leisten. Es gibt Schikanen, Diskriminierung, Homophobie. Und wenn wir es schaffen würden, diese Probleme anzugehen, dann bin ich überzeugt davon, dass wir gar nicht schauen müssen, dass der Zivildienst möglichst unattraktiv wird", so der 22-Jährige.
Zudem suchen junge Männer immer mehr nach einer sinnvollen Aufgabe. Löcker selbst hat den Zivildienst absolviert. "Ich habe in der Obdachlosenhilfe gearbeitet, wahnsinnig viel gelernt und Bereiche vom Leben gesehen, in die ich wahrscheinlich sonst nicht gekommen wäre und habe auch von da sehr viel für meine jetzige politische Arbeit mitgenommen" erzählt er.
Eine Wehrdienstreform sei notwendig, so Löcker. "Insofern finde ich es richtig, dass man eine Reform anstößt, die Veränderung bringen soll. Aber was eigentlich peinlich ist, ist eine Kommission einzuberufen, die viele 1.000 Stunden arbeitet, am Ende Vorschläge macht, und dann sagt man: Ganz nett, aber wir machen jetzt unser eigenes Wischiwaschi draus."
Nach den derzeitigen Plänen soll die Wehrdienstreform mit 1. Jänner 2027 in Kraft treten. Doch die Regierung braucht eine Oppositionspartei, um diese Reform mit einer Zweidrittelmehrheit zu beschließen. "Wir Grüne sollten uns nicht aus vorgehaltener Staatsräson erpressen lassen, diesem schlechten Kompromiss zuzustimmen", so Löcker.