Die NEOS nehmen mit ihrer Forderung nach einer Sonntagsöffnung in Wien einen neuen Anlauf – und das nach dem gescheiterten Versuch vor dem Eurovision Song Contest im Mai. Die Debatte wurde vom pinken Wirtschaftssprecher auf einer Pressekonferenz am Mittwoch aufs Neue losgetreten.
Sowohl von der Wiener ÖVP als auch von der Wiener SPÖ hagelt es prompt Kritik – wenn auch aus unterschiedlichen Motiven. Während die ÖVP den NEOS "viel Rhetorik, aber keine Umsetzungskraft" vorwirft, lehnen die Roten die Sonntagsöffnung kategorisch ab.
Auf ihrer Website zeigen sich die Pinken erstaunt darüber, dass Touristen "in einer Weltstadt wie Wien am Sonntag vor verschlossenen Türen stehen". Erhebliche Umsätze würden vom heimischen Handel so liegengelassen. Laut NEOS-Wirtschaftssprecher Markus Ornig gibt es aber eine Alternative: Die Sonntagsöffnung sei "eine Stellschraube, die ohne viel Aufwand echte Impulse bringt."
Wie die NEOS betonen, würde die Sonntagsöffnung in 76 Prozent der europäischen Hauptstädte bereits gelebt - auch in Österreich wäre Wien das einzige Bundesland, in dem diese Möglichkeit nicht genutzt wird. Dabei ist die Nachfrage durchaus vorhanden, wie eine Studie der Johannes Kepler Universität Linz zeigt: 63 Prozent der Wiener würden sonntags einkaufen gehen, bei den Jungen ist die Zahl noch höher.
Die NEOS betonen auch: Der Online-Handel macht sieben Tage die Woche Umsatz. In einer Sonntagsöffnung sehen sie somit eine Möglichkeit, den heimischen stationären Handel zu stärken.
Während sich die Wiener ÖVP für "eine sachliche Debatte über modernere Öffnungszeiten" ausspricht, kritisiert sie die "Untätigkeit" der NEOS. "Die neuerliche Wortmeldung der Neos zeigt vor allem eines: viel Rhetorik, aber keine Umsetzungskraft in Wien. Was machen die Neos eigentlich in der Stadtregierung, wenn sie sich nirgends durchsetzen können?", teilt Landesparteiobmann Markus Figl aus.
Schon im Mai hatte Figl die NEOS attackiert - diese seien bei der Diskussion über eine mögliche Sonntagsöffnung während des ESC gegenüber der SPÖ eingeknickt.
Auf die Presseaussendung der NEOS reagierte auch die Wiener SPÖ entschlossen: Eine Sonntagsöffnung in Wien werde man sicher nicht mittragen. Grund: Der Sonntag müsse als Ruhetag erhalten bleiben.
„Es muss einen Tag in der Woche geben, an dem Menschen ihren Interessen und ihrem Engagement in Vereinen und Organisationen nachgehen können, sei es im Sport, in der Kultur oder in Religionsgemeinschaften. Ebenso braucht es Zeit für die Familien", betont Landesparteisekretär Jörg Neumayer.
Und stellt klar: Solch einen freien Tag haben auch die Beschäftigten im Handel verdient. Davon abgesehen würde sich die Ausweitung der Öffnungszeiten laut SPÖ auch wirtschaftlich nicht lohnen.
Die NEOS betonen, dass es bei der Debatte um eine freiwillige Öffnung am Sonntag geht - die Sonntagsöffnung würde zusätzliche Verdienstmöglichkeiten schaffen, während Arbeitnehmerschutz und Ruhezeiten eingehalten werden. Die Pinken fordern nun einen Testlauf mit eigentümergeführten Familienbetrieben.