Mit den bevorstehenden Osterfeiertagen richtet sich der Blick vieler Gläubiger und Touristen auf die Vatikanstadt – das Zentrum der katholischen Kirche und Sitz des Papstes. Jahr für Jahr strömen Millionen Besucher auf den Petersplatz, um an den Feierlichkeiten teilzunehmen.
Doch eine Zahl sorgt immer wieder für Verwunderung: Der kleinste Staat der Welt weist gleichzeitig die höchste Kriminalitätsrate weltweit auf. Was zunächst alarmierend klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen jedoch als statistische Besonderheit.
Aktuelle Zahlen zu kriminellen Handlungen und damit imageschädlichen Aspekten sind aus einer absoluten Wahlmonarchie oft nicht leicht zu bekommen. Doch es genügen auch ältere Angaben, da selbst bei einer leicht gestiegenen oder leicht gesunkenen Verbrechensrate der Vatikan noch immer jedes andere Land weit hinter sich lassen würde. So wurden 1992 laut der britischen Rundfunkanstalt BBC 397 leichte Vergehen und 608 schwere Straftaten gemeldet. Bei einer damaligen Bevölkerung von 455 Menschen waren das 2,2 Delikte pro Kopf.
Doch begangen werden sie in den meisten Fällen nicht von den dort ansässigen Päpsten, Kardinälen, Schweizer Gardisten, Diplomaten, Priestern und ein paar wenigen Laien. Die Täter befinden sich hingegen in der Regel unter den jährlich Millionen Besuchern und Durchreisenden.
Während leichte Delikte, wie Falschparken, kleinere Verstöße gegen Vorschriften und Ruhestörung, hier eher eine untergeordnete Rolle spielen, gehören zu den häufigsten Delikten im Vatikan Taschen- und Ladendiebstahl.
Doch auch Wirtschaftskriminalität, Korruption und Drogenhandel hätten in den vergangenen Jahren zugenommen, wie der Generalstaatsanwalt des Heiligen Stuhls, Gian Piero Milano, 2015 betonte.