Ein Wiener Anwalt lieferte im Sommer 2024 ein Musterbeispiel, wie man sich bei einer Polizeikontrolle nicht verhalten sollte. Weil der Advokat im Auto nicht angeschnallt war, mahnte ihn ein beflissener Beamter vor einer Elite-Schule am Wiener Alsergrund ab. Er verlangte Papiere, Warndreieck und Erste-Hilfe-Koffer.
Doch der gestresste Gerichtsprofi wurde ungeduldig – und ungehalten: "Statt dem Führerschein hielt er mir seinen Anwaltsausweis ins Gesicht, schimpfte lautstark über Schikane", so der junge Polizist im Zeugenstand.
Da der Anwalt immer aufbrausender wurde, zog der Polizist eine Anzeige wegen öffentlicher Ruhestörung in Betracht. Mehr brauchte es nicht: Nach dem Abliefern der Tochter kam der Jurist – er wurde von seinem Kanzleikollegen vertreten – zum Polizist zurück, forderte fuchsteufelswild die Dienstnummer. Dann habe er gedroht, den Beamten "nach Paragraf 1 des Polizeigesetzes wegen Amtsmissbrauchs anzuzeigen".
Abgesehen, "dass es diesen Paragrafen gar nicht gibt", wie ihn der Richter süffisant maßregelte, verlor der Anwalt anschließend seine eingebrachte Maßnahmenbeschwerde vor dem Verwaltungsgericht. Diesen Dienstag musste er sich wegen Nötigung und Anstiftung zum Amtsmissbrauch am Wiener Landl verantworten.
"Ich hätte es besser wissen müssen und den Mund halten sollen", biss er sich auf die Zunge, bat kleinlaut um Verzeihung. Der Beamte –er wurde von Anwalt Mathias Burger begleitet – musste zwischenzeitlich sogar um seinen Job bangen. Dennoch nahm er die Entschuldigung an.
Der Richter ließ den Anwalt am Ende gerade noch mit einer Diversion davonkommen: Binnen 14 Tagen sind nun 7.000 Euro Buße fällig, dann wird das jahrelange Verfahren eingestellt.