Acht Jahre nach dem Verschwinden der 21-jährigen Jennifer S. aus Wien-Brigittenau rücken neue Gutachten den tatverdächtigen Ex-Freund weiter ins Zentrum der Ermittlungen. Sowohl ein psychiatrisches als auch ein gerichtsmedizinisches Gutachten liegen laut "Kronen Zeitung" inzwischen vor und belasten den Mann schwer.
Die junge Frau war im Jänner 2018 aus ihrer Wohnung verschwunden. Schon damals geriet ihr Freund Clemens T. ins Visier der Ermittler. Die Mutter der Vermissten war über Jahre überzeugt, dass er hinter dem Verschwinden ihrer Tochter steckt.
Im Dezember des vergangenen Jahres kam schließlich Bewegung in den Fall. Der Mann, der sich 2023 in Mairon K. umbenennen ließ, legte ein Geständnis ab. Er erklärte in Verhören, er habe den Druck nicht mehr ausgehalten. Demnach soll er Jenni während eines Streits in ihrer Wohnung "unabsichtlich erwürgt" haben. Danach habe er die Leiche in einem Waldstück bei Allentsteig in Niederösterreich versteckt.
Seit fast drei Monaten sitzt der heute 32-Jährige in der Justizanstalt Josefstadt in Untersuchungshaft. Nun wurde er von Gerichtspsychiater Peter Hofmann untersucht. Das Ergebnis: Der Beschuldigte gilt als zurechnungsfähig, womit ihm im Fall einer Verurteilung lebenslange Haft drohen könnte. Gleichzeitig diagnostizierte der Sachverständige eine massive Persönlichkeitsstörung, heißt es im Bericht der Tageszeitung.
Bereits in der Volksschule sollen bei ihm narzisstische Tendenzen festgestellt worden sein. Diese hätten sich im Laufe der Jahre weiter verstärkt. Besonders seine zahlreichen Partnerinnen sollen darunter gelitten haben. Berichtet wird laut "Krone" von Kontrollsucht, Jähzorn und gewalttätigen Ausbrüchen. Mehrere Ex-Freundinnen mussten nach den Beziehungen therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen, unter anderem wegen posttraumatischer Belastungsstörungen.
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Polizei-Notruf: 133
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Der Gerichtspsychiater kommt daher zu einem klaren Schluss: Clemens T. alias Mairon K. sei "anhaltend gefährlich", heißt es in der Tageszeitung. Weitere schwere Straftaten seien zu befürchten. Eine Einweisung in ein forensisch-therapeutisches Zentrum wäre laut Gutachten angebracht.
Auch die gerichtsmedizinische Untersuchung der sterblichen Überreste der jungen Frau brachte neue Fragen auf. Am Schädel des Opfers wurde laut "Krone" im Bereich der linken Augenhöhle eine deutliche Verletzung festgestellt. Sie dürfte kurz vor oder nach dem Tod entstanden sein. Wie es zu dieser Fraktur kam, hat der Tatverdächtige bisher nicht erklärt.
Für den Tatverdächtigen gilt die Unschuldsvermutung.