"Leiche ausgezogen"

Jennis Mutter schaute Killer am Tatort in die Augen

Clemens T. rekonstruierte in der Wiener Wohnung von Jennifer S. die Tötung seiner Ex-Freundin – seine Aussagen am Tatort werfen neue Fragen auf.
André Wilding
31.12.2025, 09:51
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Es ist Dienstag, kurz nach 9 Uhr in Wien-Brigittenau. In der Ospelgasse findet unter starker Polizeipräsenz ein Lokalaugenschein statt – in jener Wohnung, in der Jennifer Scharinger (21) im Jänner 2018 ums Leben kam. Acht Jahre später kehrte Clemens T., der mittlerweile Mairon K. heißt, als mutmaßlicher Täter zurück an den Ort des Verbrechens.

Vor wenigen Wochen hatte der gelernte Gärtner ein spätes Geständnis abgelegt – die 21-jährige Jus-Studentin galt bis dahin als vermisst. Bei der Tatortbegehung bleibt vieles vage. "Ich weiß nicht, warum ich meine Freundin damals so lange gewürgt habe", wird der 32-Jährige in der "Kronen Zeitung" zitiert. "Und ich weiß auch nicht, warum es für mich notwendig war, die Leiche auszuziehen."

"Kann mich an Gründe nicht erinnern"

Seine Aussagen wirken wirr, teils widersprüchlich. Von einem "argen Streit" und einem "dummen Gerangel" spricht der Niederösterreicher laut der Tageszeitung. An einer Puppe zeigt er schließlich, wie er Jenni getötet haben will: "Ich habe sie mit meinem Unterarm fixiert, am Hals", heißt es in dem Bericht weiter. Als Ermittler nachhaken, warum die Gewalt so heftig und lang war, sagt er nur: "Ich weiß es nicht, ich kann mich an die Gründe dafür nicht erinnern."

Auch weitere Details bleiben ungeklärt. "Ich habe keine Ahnung, welche Kleidung meine Freundin bei dem Kampf trug", meint der Tatverdächtige – und kann sich laut "Krone" auch nicht mehr erklären, warum er ihren leblosen Körper anschließend auszog und in eine Wäschekiste packte. Diese will er alleine transportiert haben. "Das Ding ist zu groß und schwer", sagt er über ein 110 Zentimeter breites Möbelstück, schafft es aber dennoch, einen Nachbau samt Dummy zu heben. Komplizen? "Nein, ich brauchte echt keine."

Bist du von Gewalt betroffen? Hier findest du Hilfe

Frauenhelpline (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 222 555

Männernotruf (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 246 247

Rat auf Draht: 147

Autonome Frauenhäuser: 01/ 544 08 20

Polizei-Notruf: 133

Hier weiterlesen: Expertin gibt konkrete Tipps: Kontrolle, Eifersucht - wann der Alarm schrillen sollte  >

"Nicht gehauen, aber leider gewürgt"

Bereits vor drei Wochen hatte er die Polizei zum Truppenübungsplatz Allentsteig geführt – dort lagen die sterblichen Überreste der jungen Frau. Laut ersten Obduktionsergebnissen zeigen sich massive Verletzungen am Schädel – Hinweise auf Schläge mit einem stumpfen Gegenstand. Er selbst bleibt bei seiner Version: "Ich hab meine Freundin nicht gehauen, aber leider gewürgt."

Als der Tatverdächtige gegen 11 Uhr abgeführt wird, steht Jennis Mutter nur wenige Meter entfernt. "Um dem Mann", sagt ihr Anwalt Andreas Schweitzer gegenüber der "Kronen Zeitung", "der ihr Schlimmstes angetan hat, in die Augen zu schauen."

{title && {title} } wil, {title && {title} } Akt. 31.12.2025, 10:38, 31.12.2025, 09:51
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