Als Helmut Marko nach dem Saisonfinale in Abu Dhabi auf seine Zukunft angesprochen wurde, sagte ein einzelnes Wort womöglich alles. "Vielleicht" sei er auch in der neuen Saison wieder dabei, antwortete der 82-Jährige bei Sky.
Die offene Zukunft sorgte rund um die Feierlichkeiten von McLaren über den ersten WM-Titel von Lando Norris für Unruhe im Paddock. Marko legte kurz darauf weiter nach: Gegenüber "Motorsport-Magazin.com" kündigte er an: "Wir werden jetzt Gespräche führen und dann schauen wir. Das muss alles passen", sagte Marko – und schob gleich nach, dass er "andere Aktivitäten und Interessen en masse" habe und "nicht auf das angewiesen" sei.
Sätze, die nach Abschied klingen.
Der britische Telegraph berichtet am Montag nach dem Saisonfinale, Marko werde seinen Posten als Motorsportberater bei Red Bull nach 20 Jahren räumen. Marko war für ein Statement am Nachmittag zunächst nicht erreichbar, die Gespräche mit Konzernvertretern sollen am Montag stattgefunden haben.
Dabei war Marko bei Red Bull immer mehr als nur eine Funktion. Er war Identifikationsfigur, Strippenzieher, Talentscout und zuletzt vor allem: Mentor von Max Verstappen. Beide pflegten laut Agenturtext ein vertrauensvolles Verhältnis. Verstappen reagierte am Sonntag entsprechend: "Ich hoffe er bleibt. Da müssen Sie ihn fragen."
Spätestens beim vorletzten Saisonrennen wurde öffentlich sichtbar, wie sehr Markos Stil inzwischen zur Belastungsprobe für den eigenen Rennstall geworden war.
Marko, in der Formel 1 bekannt für Expertise, Weitblick und gnadenlose Direktheit, hatte Mercedes vorgeworfen, mittels eines Unfalles von Kimi Antonelli bewusst ins WM-Rennen eingegriffen zu haben. Es folgte der Schlagabtausch des erbosten Teamchefs der Silberpfeile: Toto Wolff. Giftpfeile flogen in den letzten Jahren häufiger zwischen den Österreichern.
Der entscheidende Unterschied diesmal: Erstmals schien sich Red Bull als eigener Arbeitgeber gegen Marko zu stellen. Der Konzern entschuldigte sich offen bei Mercedes für die WM-Unterstellungen.
Für viele war das schon eine Woche vor Markos "Vielleicht" das erste deutliche Signal, dass der Abschied bevorstehen könnte.
Schon 2024 hatte Markos Position gewackelt, als sich interne Spannungen zu einem Machtkampf rund um den damaligen Teamchef Christian Horner zuspitzten. Damals knüpfte Verstappen sein Schicksal öffentlich an das des Österreichers. Marko blieb – Horner musste im vergangenen Sommer schließlich gehen.
Die Fronten blieben intern verhärtet, Lager geteilt. Auch das lässt Red-Bull-Fans nun zittern. Denn: Verstappen war stets dem Marko-Lager zuzuordnen. Abschieds-Gerüchte des Superstars, von denen es in den letzten Monaten ebenfalls nicht zu wenige gab, gewinnen plötzlich deutlich an Brisanz.