Inmaculada war übers Wochenende in Madrid und machte sich am Sonntagabend auf den Heimweg nach Huelva. Doch die Fahrt endete tragisch: Ihr Zug kollidierte frontal mit einem anderen, der zuvor entgleist war. Mindestens 39 Menschen verloren dabei ihr Leben. Wie 20 Minuten berichtet, ist das Entsetzen bei den Überlebenden groß.
Inmaculada hatte Glück im Unglück und kam mit dem Leben davon. Doch der Schock saß tief. Noch zu Mitternacht schleppte sie ihren Koffer hinter dutzenden anderen Passagieren her. Die Evakuierung führte sie in Bussen ins Gemeindeamt von Adamuz. Dort warteten Verwandte – oder es ging in die Notunterkunft, die für die Opfer eingerichtet wurde.
Inmaculada saß im Waggon Nummer 4. Sichtlich mitgenommen schilderte sie gegenüber "El Mundo" die dramatischen Minuten: "Plötzlich bremste der Zug abrupt. Es war unglaublich heftig, einige Sitze flogen durch die Luft; es war ein Wahnsinn. Ich dachte, ich würde sterben", erzählt sie.
Sie blieb unverletzt und wurde "entlang der Gleise" in Sicherheit gebracht. Im nächsten Waggon war die Zerstörung noch viel schlimmer. "Ich versuchte, nicht nach links zu schauen; da lagen so viele Verletzte", sagt sie. In anderen Teilen des Zuges mussten Fahrgäste sogar durchs Dach flüchten. "Es wird lange dauern, bis ich wieder Zug fahre", seufzte Inmaculada.
Vor dem Gemeindeamt warteten Dutzende auf Nachrichten. Manche konnten erleichtert ihre Lieben wieder in die Arme schließen, für andere blieb die Angst. "Wir können nicht sprechen", schluchzte eine junge Frau, die noch immer keinen ihrer Verwandten gefunden hatte.
Angehörige der Vermissten starteten in den sozialen Medien einen Zeugenaufruf, laut 20 Minuten. Viele veröffentlichten Fotos und Infos, darunter der Sohn des 57-jährigen Ricardo Chamorro Calíz. Er war im Alvia-Zug von Madrid nach Huelva unterwegs. "Bitte, falls jemand in Adamuz meinen Vater erkennt, melden Sie sich bei mir."
Der Bub konnte das Handy seines Vaters am Unfallort orten – seitdem hat es sich nicht mehr bewegt. Die Mutter suchte alle Spitäler in der Nähe ab, aber ohne Erfolg. "Hoffentlich ist er in Jaén oder Andújar."
Die staatliche Bahngesellschaft Renfe hat die Nummer +34 900 101 020 für Angehörige eingerichtet. Auch das Privatunternehmen Iryo bietet Hilfe unter +34 900 001 402 an. Laut "El País" sind die Polizisten noch immer dabei, die Toten zu identifizieren.
Im anderen Zug, dem Iryo, der entgleiste und auf das Gegengleis geriet, saß Francina Martínez. Die Costa-Ricanerin war mit einer Delegation zur Internationalen Tourismusmesse nach Spanien gereist. Nach einem Wochenende in Málaga war sie am Rückweg nach Madrid.
Ihr Waggon Nummer 7 lag teilweise umgestürzt. Die Passagiere schlugen mit Nothämmern die Fenster ein und kletterten nach draußen, um sich zu retten.