Wie das spanische Innenministerium Montagfrüh bekanntgab, sind laut der Zeitung "El País" 152 Menschen verletzt worden, darunter 24 schwer. Unter den Todesopfern ist auch der erst 27-jährige Lokführer.
Ersten Meldungen zufolge prallten zwei Hochgeschwindigkeitszüge aufeinander, einer davon war ein Iryo-Zug. Der Regionalpräsident von Andalusien, Juanma Moreno, erklärte, dass 75 Passagiere ins Spital eingeliefert wurden – die meisten in die nahe Stadt Córdoba. Unter ihnen sind 15 Schwerverletzte, berichtet "20 Minuten".
Ein Journalist, der in einem der Waggons war, schilderte laut "Welt": "Es fühlte sich wie ein Erdbeben an, und der Zug war tatsächlich entgleist." Einige Passagiere hätten mit den Notfallhämmern versucht, sich selbst aus den Waggons zu befreien.
Eine Frau kämpfte im Interview mit dem TV-Sender RTVE mit den Tränen, als sie das Geschehen beschrieb: "Es gab eine Vollbremsung, es wurde stockdunkel. Ich fiel kopfüber aus dem Sitz. Menschen und Gepäck flogen durch die Luft, es gab Schreie, weinende Kinder, überall war Blut."
Ramón Montón, der seine Frau nach dem Unglück sucht, erzählte "El País": "Ich bin sehr nervös und konnte sie bislang noch nicht ausfindig machen. Ich habe drei Stunden von Huelva hierher gebraucht und bin dabei etwas zu schnell gefahren. Meine Frau saß im Alvia-Zug, ich habe noch 20 Minuten vor dem Unfall mit ihr gesprochen. Sie hätte den Zug fast verpasst", sagt Montón sichtlich verzweifelt.
Ein Großaufgebot an Rettungskräften ist im Einsatz. Sie versuchen, eingeschlossene Fahrgäste zu befreien und Verletzte zu versorgen. Die Lage ist laut Feuerwehr vor Ort äußerst schwierig. "Es ist ein schwer zugängliches Gebiet", erklärt Feuerwehrleiter Paco Carmona. "Das Ausmaß der Zerstörung war zudem groß. Es herrschte überall Chaos, wir haben es mit offenen Brüchen zu tun."
Die regionale Zivilschutzleiterin María Belén Moya Rojas sagte dem Sender Canal Sur, der Unfall habe sich in einem schwer erreichbaren Gebiet ereignet. Anrainer hätten Decken und Wasser zur Unglücksstelle gebracht, um den Betroffenen zu helfen.
Unverletzte Fahrgäste wurden mit Bussen abtransportiert und von freiwilligen Helfern aus dem Dorf Adamuz betreut. In beiden Zügen dürften insgesamt rund 500 Menschen gewesen sein.
"Heute Abend ist eine Zeit tiefer Trauer für unser Land", schrieb Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez auf X. "Ich möchte den Familien und Angehörigen der Opfer mein aufrichtiges Beileid aussprechen." Auch Spaniens König Felipe VI. und Königin Letizia drückten in den sozialen Medien ihr Mitgefühl aus.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte auf X, sie verfolge "die schrecklichen Nachrichten" aus Córdoba. "Heute Abend seid ihr in meinen Gedanken", schrieb sie auf Spanisch.
Unterdessen hat sich auch der spanische Verkehrsminister, Óscar Puente, zu Wort gemeldet. Er könne sich den Vorfall nicht erklären. Die Strecke sei schnurgerade und erst im Mai letzten Jahres instand gesetzt worden. Der entgleiste Zug sei erst vier Jahre alt gewesen.
Zunächst war man von einem Frontalcrash ausgegangen. Wie "El País" nun berichtet, sollen die letzten drei Waggons des Iryo-Zuges aus den Schienen gesprungen sein. Dadurch kam es zu einem seitlichen Zusammenstoß.
Kritik kam unterdessen von der spanischen Gewerkschaft der Lokomotivführer. Laut einem "Welt"-Bericht würden sie bereits seit Monaten die schlechten Zustände der Hochgeschwindigkeitsstrecken beklagen. Zudem kam ans Licht, dass der Iryo-Zug erst vor Kurzem zu Wartungsarbeiten in der Werkstatt war.