Coronavirus

Virologe platzt Kragen: "Wenn Menschen so dumm sind.."

Statt der regionalen Maßnahmen fordert Virologe Nowotny bundesweit zu agieren. Er pocht auf einen Lockdown für das gesamte Land.
31.03.2021, 21:04

Nach wie vor sorgt der Corona-Impfstoff des Herstellers AstraZeneca für viel Zündstoff. Zuletzt hat Deutschland die Verimpfung des Vakzins an unter 60-Jährige gestoppt. Am Dienstagabend schilderte Ursula Wiedermann-Schmidt, die Vorsitzende des Nationalen Impfgremiums in der ZIB2 mit Armin Wolf, warum ein ähnliches Vorgehen in Österreich nicht vorgesehen ist. (Mehr dazu hier >>)

Am Mittwoch sprach auch der Virologe Norbert Nowotny von der VetMedUni Wien im Puls24-Interview mit Sabine Loho über die Impfstoffe AstraZeneca und Sputnik V, sowie die unterschiedlichen Corona-Einschränkungen in Österreich (Video siehe unten).

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 AstraZeneca

Auch Nowotny vertritt die Meinung von Ursula Wiedermann-Schmidt, wenn es um die Aussetzung der AstraZeneca-Impfung geht. Derzeit seien in Österreich zu wenige Impfdosen vorhanden, als dass man die Verimpfung von AstraZeneca einfach so stoppen könnte. Aber, das Thromboserisiko sei ohnehin sehr gering - ein bis maximal zwei solcher Fälle treten pro 100.000 Geimpften auf. Nichtsdestotrotz müssten sowohl Geimpfte als auch Ärzte "vermehrt auf Thrombose-Symptome achten", schilderte der Virologe. 

 "Die Impfung mit AstraZeenca auszusetzen würde bedeuten, dass viele Menschen an der Coronavirus-Infektion erkranken. Der Schaden dadurch ist viel höher - auch der gesundheitliche Schaden ist viel höher - als wenn wir die Impfung wegen der relativ sehr wenigen Fälle aussetzen würden."

 Sputnik V

Am Mittwoch verkündete der Bundeskanzler per Twitter, dass sich Österreich "auf den letzten Metern" bei den Verhandlungen zu dem russischen Impfstoff Sputnik V befinde. Eine Bestellung könne "wahrscheinlich schon nächste Woche erfolgen". Doch ist es ratsam, einen Impfstoff zu verwenden, der seitens der EMA noch nicht zugelassen wurde? Dazu sagt Nowotny: "Im Prinzip ist der Sputnik V-Impfstoff ein guter, (..) es spricht nichts gegen diesen Impfstoff." Russland habe eine lange Tradition in der Erzeugung von solchen Impfstoffen. Dennoch habe der Virologe Bedenken:

„"Trotzdem ist es so, dass ich da etwas vorsichtig wäre, solange die EMA diesen Impfstoff in Europa nicht zugelassen hat."“

Es bleibt abzuwarten, ob es in Österreich eine Notfallzulassung geben werde, oder hier doch auf die Zulassung von Seiten der EMA gewartet wird. Es könnte aber noch einige Wochen dauern "bis eben der EMA alle Unterlagen von den russischen Behörden zur Verfügung gestellt wurden und auch entsprechend geprüft wurden".

 Oster-Lockdown

"Ich hätte den Lockdown bereits ab Montag der Karwoche verfügt - für mindestens zwei Wochen", so Nowotny zur Oster-Lockdown-Frage. Ein sechstägiger Lockdown bringe virologisch gesehen nichts. "Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass wir diesen Lockdown wahrscheinlich verlängern müssten (..), auch bei den anderen Bundesländern - möglicherweise ausgenommen Vorarlberg." 

„"Die derzeitige Fleckerlteppich-Lösung ist ganz schlecht; virologisch nicht nachvollziehbar", erläutert der Virologe.“

Ein zweiwöchiger Lockdown für das gesamte Land wäre nun die ideale Lösung, da sich in den anderen Bundesländern ähnlich dramatische Szenarien, wie etwa in Wien, anbahnen. "Sonst werden wir nie in die Situation kommen, dass die Spitäler wieder auf der ganz sicheren Seite sind", schildert Nowotny weiter. 

Er selbst erklärt, dass auch er auf regionale Maßnahmen gepocht hatte, solange jene "möglich und sinnvoll waren". Derzeit sei es aber so, dass immer mehr Bezirke dazu kommen, die eine hohe Inzidenz haben. Die Durchführung regionaler Maßnahmen gestalte sich daher schwierig. 

 "Nachdem also insgesamt gesehen die Fallzahlen österreichweit steigen, fürchte ich, dass es notwendig sein wird, jetzt leider auf diese regionalen Maßnahmen zu vergessen und eher bundesweite Maßnahmen zu setzen."

  "Sonne genießen, aber Abstand halten"

Nach wie vor spreche nichts dagegen, die Zeit bei diesen warmen Temperaturen draußen zu verbringen und die Sonne zu genießen. Eine Sache gibt es aber, auf die man achten soll: ausreichend Abstand zu anderen halten. Genauer gesagt: "Mindestens zwei Meter Abstand halten zu Personen, die nicht im gleichen Haushalt wohnen und das ist der ganze Zauber." 

„"Wenn Menschen - ganz brutal gesagt - noch immer so dumm sind und Corona-Partys feiern, dann würde ich diesen Menschen sagen: Schaut mal in die Spitäler und auf die Intensivstationen."“

Erst wenn diese Personen selbst oder jemand aus deren Umfeld betroffen ist, werden diese Menschen ihr Verhalten ändern.