Am 21. September ist Welt-Alzheimertag. Rund 170.000 Menschen in Österreich leben Schätzungen zufolge mit einer Demenzerkrankung. Viele Betroffene und ihre Familien kämpfen dabei nicht nur mit gesundheitlichen Folgen, sondern auch mit Unsicherheit, Berührungsängsten und sozialem Rückzug.
Genau hier setzt nun ein Projekt in Niederösterreich an. Im Waldviertel bringt "Ankerpunkte" Menschen mit und ohne Demenz bei gemeinsamen Kreativ-Angeboten zusammen. Am 15. September startete die zweite Workshop-Serie.
Das Angebot reicht von Zeichnen und Gestalten über gemeinsames Musizieren und Singen bis hin zu Bewegung und Tanz. Mitmachen können Menschen mit Demenz ebenso wie Angehörige und andere Interessierte. Die Teilnahme ist kostenlos, Vorkenntnisse braucht es keine. Veranstaltungen gibt es unter anderem im Pfarrhaus Sallingberg, im Gasthaus Hörndl in Neupölla sowie im Sportrestaurant Hinger in Waldenstein.
"Menschen mit Demenz sind nicht nur Patienten oder Pflegebedürftige. Sie haben Interessen, Bedürfnisse und den Wunsch nach Austausch und gesellschaftlicher Teilhabe", erklärt Projektleiterin Andrea Schmidt. Mit den gemeinsamen Aktivitäten sollen Begegnungen ermöglicht und Berührungsängste abgebaut werden.
Besonders im ländlichen Raum kann gesellschaftliche Teilhabe schwierig werden. Lange Wege, eingeschränkte öffentliche Verkehrsverbindungen und wenige speziell geeignete Angebote können für Betroffene rasch zum Hindernis werden.
Gleichzeitig sieht das Projekt gerade in Gemeinden, Vereinen und Nachbarschaften eine große Chance. Bestehende Netzwerke sollen genutzt werden, um Menschen mit Demenz stärker in das gesellschaftliche Leben einzubinden.
Entwickelt wurden die "Ankerpunkte" gemeinsam mit Forschern, Demenzexperten, Künstlern, Community Nurses, Angehörigen und Betroffenen. Eine erste Workshop-Serie fand bereits im Juni statt.
Begleitet wird das Projekt auch wissenschaftlich. Untersucht wird, wie Menschen mit und ohne Demenz die gemeinsamen Aktivitäten erleben und welche Angebote besonders gut funktionieren.
Aus den Erfahrungen im Waldviertel soll später ein praxisnahes Handbuch entstehen. Damit könnten auch andere Gemeinden Ideen und erprobte Konzepte übernehmen.