Ein Schaden von rund 900.000 Euro bringt die Waldviertler Werkstätten in Bedrängnis. Firmenchef Heinrich Staudinger zeigt sich nach dem mutmaßlichen Betrug durch einen ehemaligen Mitarbeiter schwer getroffen. "Gigantische Summen, die uns an den Rand des Ruins getrieben haben", sagt er in einem Video.
Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht ein 26-Jähriger aus dem Bezirk Gmünd. Der frühere Buchhaltungsmitarbeiter soll zwischen Februar 2025 und September 2026 bei mehr als 670 Überweisungen Geld auf fingierte Empfänger und Konten umgeleitet haben. Ende Oktober wurde er festgenommen und in die Justizanstalt Krems gebracht. Bei seiner Einvernahme schwieg er.
Als in der Buchhaltung größere Geldbeträge fehlten, vermutete das Unternehmen zunächst einen Cyberangriff. Untersuchungen durch IT-Experten und Ermittler ergaben jedoch keine Hinweise auf Schadsoftware.
Stattdessen soll der Verdächtige Gelder aus stornierten Onlinebestellungen abgezweigt haben. Dabei dürften zahlreiche Konten zum Einsatz gekommen sein, laut Staudinger auch in Belgien, Frankreich und Singapur. Selbst Wirtschaftsprüfer und Steuerberater bemerkten die Vorgänge zunächst nicht.
Besonders belastend ist für Staudinger der Vertrauensbruch. Der ehemalige Mitarbeiter sei stets höflich gewesen. "Man sieht im Nachhinein Dinge, die man im Vorhinein nicht gesehen hat", erklärt der Unternehmer.
Am 15. September erstattete das Unternehmen Anzeige, Anfang Oktober wurde der Mitarbeiter entlassen. Die Ermittlungen laufen, die Waldviertler hoffen auf die Rückholung zumindest eines Teils des Geldes.
Nun bittet Staudinger seine Kunden, dem Unternehmen weiterhin die Treue zu halten. "Der einzige Grund, warum wir als einer der letzten Schuherzeuger Österreichs noch immer existieren, ist, weil uns die Kunden die Treue gehalten haben", betont er. Trotz der schwierigen Lage wolle man die Produktion langlebiger und reparierbarer Waren fortsetzen.