Frisch frisiert im bisschen zu engen Firmanzug saßen zwei (ehemalige) Schüler der katholischen Privatschule Albertus Magnus am Montagmorgen nicht etwa irgendwo im Unterricht, sondern am Straflandesgericht Wien.
Die 16-Jährigen – die von ihren Eltern mit reichlich Vornamen nach römischen Kaisern und Päpsten und mehr als genug Taschengeld versorgt wurden – mussten sich wegen schwerer Sachbeschädigung in ihrer Wiener Eliteschule verantworten.
Mit zittriger Stimme und wohlformulierten Sätzen gestand der Erstangeklagte am 16. Februar des heurigen Jahres Waschbecken in mehreren Stockwerken mit Klopapier verstopft und danach das Wasser aufgedreht zu haben, während seine Klassenkameraden fürs Buffet beim Schultheaterstück schufteten.
Das Wasser lief die ganze Nacht und stand am nächsten Morgen zentimeterhoch im Gebäude, quoll durch die Wände und ließ in mehreren Klassenzimmern sowie im Physiksaal Teile der Decken einbröckelten. Der Unterricht fiel für alle Oberstufenschüler mehrere Tage aus, sündteure Reparaturen wurden nötig. Für den immensen Schaden wollte der Erstangeklagte – dessen Anwalt noch vergeblich versuchte, die Öffentlichkeit auszuschließen – ganz alleine verantwortlich sein.
Das andere Schlitzohr hatte noch vor Prozessbeginn mit zwei Daumen nach oben für die Kameras posiert, mimte im Saal dann aber das Unschuldslamm. Der Juristensohn mit Krawatte wollte partout nicht aussagen, einzig sein Star-Verteidiger Sascha Flatz brachte eine Stellungnahme ein. Beim Manipulieren der Waschbecken sei er demnach nicht beteiligt gewesen, sei folglich völlig unschuldig. Und da ausgerechnet der wichtigste Belastungszeuge kurzfristig erkrankt war, wird sein Verfahren nun abgesondert im Oktober weiterverhandelt. Die Unschuldsvermutung gilt.
Beim ersten Schüler, dessen Hobbys, PC-, Tennis- und Golfspielen sind, war die Sache indes klar, wie das Wiener Hochquellwasser, dass die Überflutung auslöste. "Ich war es", gab er zu. Zwar sei er notentechnisch nicht der beste gewesen, "aber ich mochte die Schule eigentlich, kam mit Lehrern und Mitschülern gut aus", wusste er keine wirkliche Erklärung übers Motiv abzugeben, gestand aber reumütig.
Das Ausmaß der Katastrophe – Gutachten sprechen von 500.000-800.000 Euro Schaden – habe er so weder geahnt noch gewollt. "Ich wollte einfach den Helden spielen und mich beweisen", meinte er. Nach dem Vorfall stand dem Burschen jedoch sofort selbst das Wasser bis zum Halse, da ihn andere Schüler als letzten aus dem Gebäude gehen sahen und er seine Tat auch im Vorhinein angekündigt hatte.
Schnell kam auch die Polizei Ermittler auf den schmächtigen Elite-Eleven, der schließlich folgerichtig von der Schule flog. "Es war ein dummer Streich", war der Spross aus bestem Hause im Gerichtssaal den Tränen nahe. Nun wurde er ins Internat gesteckt.
Die Jugendrichterin stimmte der Bitte auf Diversion zu. Für "symbolische" 60 Stunden Sozialarbeit, die er am Wochenende und in den Ferien ableisten muss sowie 500 Euro Buße, die er sich vom Taschengeld absparen soll, wurde das Verfahren vorläufig eingestellt. Die Zukunft des jungen Mannes ist trotzdem ziemlich verbaut: Denn zivilrechtlich droht ihm nach der Klo-Flut eine Zahlungswelle an die Versicherung, die ihn dreißig Jahre lang pfänden kann.