Durften nicht bleiben

"War perplex" – Frau über Hunde-Verbot in Spital sauer

Zwei Frauen (30, 38) kämpfen um ihre Assistenzhunde – ausgerechnet im Spital: Am Linzer Neuromed Campus kam es zum Streit um Regeln und Zutritt.
Lea Strauch
27.02.2026, 05:00
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Viele Kliniken haben strenge Regeln: Hygiene, Rücksicht, Hausordnung. Doch was passiert, wenn genau deswegen die wichtigste Stütze für die Gesundheit plötzlich draußen bleiben muss? Zwei Oberösterreicherinnen (30 und 38) berichten "Heute" von Klinik-Erfahrungen, die sie bis heute nicht loslassen. Sie fühlen sich wegen ihrer Therapiebegleithunde diskriminiert.

Rechtlich gilt: Assistenzhunde haben Sonderstatus. Laut Bundesbehindertengesetz dürfen sie grundsätzlich mit – und im OÖ Hundehaltegesetz steht, dass für ausgebildete (oder in Ausbildung befindliche) Assistenzhunde keine Maulkorb- oder Leinenpflicht gilt. In der Praxis finden sich in Hausordnungen trotzdem teils genau solche Vorgaben.

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"Bin unter Druck gegangen"

Weil sie psychisch stark belastet war, lies sich die 38-Jährige Mitte Februar stationär am Linzer Neuromed Campus aufnehmen. Einen Tag später kam ihr Mann mit Therapiebegleithündin "Nala" zu Besuch: "Per Gesetz müssen sie das erlauben", sagt die Betroffene. Zunächst habe eine Ärztin den Besuch mit Hund grundsätzlich gestattet, allerdings mit dem Hinweis, Rücksicht auf andere Patienten zu nehmen.

Doch dann sei die Stimmung gekippt: Eine andere Ärztin habe laut der 38-Jährigen klargemacht, "Nala" habe "hier nichts verloren". Die genannten Gründe: Hygiene und Kinder auf der Station. "Ich habe sie darüber aufgeklärt, dass sie ein Assistenzhund ist". Doch die Medizinerin soll stur geblieben sein: "Ich war perplex, mein Mann war absolut sprachlos. Dann sind wir gegangen."

Dramatisch: Die 38-Jährige befand sich laut eigener Aussage zu dem Zeitpunkt noch in einer "akuten Krise": "Ich bin unter Druck gegangen, nicht freiwillig. Sonst wäre ich nicht auf die Idee gekommen, zu gehen." Sie fordert deswegen auch Schadensersatz von der besagten Ärztin.

Vier Pfoten gegen die Krise

Was für die 38-Jährige besonders unverständlich ist: Am KUK gibt es sogar eigene Therapiehunde. "Da soll mir einer erklären, warum der rein darf aber mein Assistenzhund ein hygienisches Problem ist." Sie ist sich sicher: "Die Hausordnung ist nicht korrekt – Assistenzhunde sind von der Leinenpflicht ausgenommen. Sie müssen ja ihre Arbeit ausführen können."

Hol dir Hilfe – es gibt sie

Um die Krisenversorgung in Oberösterreich flächendeckend und noch umfassender gewährleisten zu können, haben sich pro mente OÖ, EXIT-sozial, Rotes Kreuz, Telefonseelsorge OÖ und Notfallseelsorge unter dem Namen Krisenhilfe OÖ zusammengeschlossen.

Neben dem ständig verfügbaren Krisentelefon bietet die Krisenhilfe OÖ in psychosozialen Notsituationen auch Online- und Chatberatung, persönliche Gespräche und mobile Einsätze, etwa in Form von Hausbesuchen.

Die Krisenhilfe OÖ unterstützt in allen psychischen Notsituationen – rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr unter der Telefonnummer 0732 / 21 77.

Auch die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr unter der Nummer 142 erreichbar.

Und sie ist kein Einzelfall: Auch die 30-Jährige berichtet von ähnlichen Erfahrungen am Neuromed Campus. Sie weiß schon aus schmerzlicher Erfahrung: "Krankenhäuser lassen Assistenzhunde nur bedingt zu." In der Vergangenheit habe sie deswegen auch schon mit anderen Kliniken Schlichtungsverfahren führen müssen.

Dabei ist ihr Pitbull für sie weit mehr als nur ein Vierbeiner: "Wanda begleitet mich den ganzen Tag." Die 30-Jährige erzählt von dissoziativen Zuständen und Krampfanfällen – ihr Assistenzhund erkenne die Symptome und "bricht sie ab". Sprich: Der Hund interveniert, bevor die Situation überhaupt eskalieren kann.

Hausordnung "in Überarbeitung"

Das Kepler Klinikum betont in einem Statement, dass es "schon bisher" für Therapie- und Assistenzhunde eine Ausnahme vom generellen Haustier-Mitnahmeverbot in den Kliniken gegeben habe. "Aktuell sind die Vorgaben für Assistenzhunde in der Hausordnung in Überarbeitung", heißt es gegenüber "Heute". Grund sei die bisherige Maulkorb- und Leinenpflicht, die man nun aufheben wolle.

Die bisherige Regelung sei analog den Bestimmungen zum OÖ Hundehaltegesetz gestaltet gewesen, werde nun aber angepasst. Die neue Hausordnung müsse nach der Überarbeitung erst von der Sanitätsdirektion freigegeben werden. Das Klinikum stellt aber klar: "Wir werden aber schon jetzt diese neue Vorgangsweise leben." In den zwei geschilderten Fällen will man laut KUK die betroffenen Bereiche zusätzlich sensibilisieren, "um zukünftig eine Diskriminierung auszuschließen". Dazu würden aktuell "interne klärende Gespräche" geführt.

{title && {title} } Lstr, {title && {title} } 27.02.2026, 05:00
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