Warum Thiem-Hits nicht im ORF laufen können

Dominic Thiem im Finale gegen Novak Djokovic
Dominic Thiem im Finale gegen Novak DjokovicBild: GEPA-pictures.com
ServusTV jubelte nach dem Australian-Open-Finale mit Dominic Thiem über neue Rekordquoten. Dem ORF sind die Hände gebunden, wie der Sportchef verrät.
Bis zu 783.000 Zuschauer machten das Melbourne-Endspiel am Sonntag zur bisher meistgesehenen Sendung des heimischen Privatfernsehsenders, berichtete ServusTV stolz. Der Sender profitierte vom Hype um Dominic Thiem, der sich bei den Australian Open im Finale Superstar Novak Djokovic in fünf Sätzen knapp geschlagen geben musste.

ServusTV ließ mit einem Marktanteil von 45 Prozent auch den ORF hinter sich. Der Damen-Super-G und der erste Durchgang des Garmisch-Riesenslaloms der Herren brachten es auf Höchstwerte von 29 beziehungsweise 30 Prozent Marktanteil.



CommentCreated with Sketch.6 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Sogar der ORF-Sportchef zappte hin und her. Das verriet Hans-Peter Trost der "Kleinen Zeitung". Doch warum zeigt das öffentlich-rechtliche Fernsehen solche Thiem-Hits eigentlich nicht selbst?

Trost klärt auf. Der Sender steckt in einem Dilemma. Weil der ORF derzeit die Rechte am Ski-Weltcup und der Formel 1 hält, können große Thiem-Highlights nicht auf ORF eins übertragen werden.



Die Konkurrenz freut sich. Trost plaudert aus, ServusTV habe sich die Rechte an den US Open gesichert.



Trost in der "Kleinen": "Natürlich tut es weh und natürlich würden wir gerne alles zeigen. Aber wir haben auch laufende Verträge mit Sendeverpflichtungen wie beim Skifahren, bei den Nordischen oder der Formel 1. Auch Tennis gilt laut ORF-Gesetz ab einem gewissen Level, also etwa ab einem großen Viertel- oder Halbfinale, als Premium-Sport und kann dann nicht mehr auf Sport+ übertragen werden. Dann müssten wir auch ORF 2 mit Sport bespielen und wären erst recht wieder in der Kritik, dass wir nur Sport bringen. Laut ORF-Gesetz dürfen wir nichts kaufen, was wir dann nicht auch bringen."

Stadthalle wackelt, Kitz auf ServusTV



Auch das Turnier in der Wiener Stadthalle wackelt – "alles offen". "Davis Cup schauen wir uns an." Im Rechte-Rennen geht es freilich nicht nur um die Grenzen durch das ORF-Gesetz. Der Sender wolle sorgsam mit den Gebühren umgehen, "manche Preissteigerungen sind aber nicht mehr nachvollziehbar".

ServusTV überträgt seit 2019 das Generali Open in Kitzbühel. Bis zum Vorjahr ein Fixpunkt im ORF.

Termin-Kollision: Thiem gegen Formel 1



Der ORF hält heuer noch die Rechte an den French Open. Am 7. Juni 2020 kommt es also idealerweise zur dritten Auflage des Final-Thrillers Dominic Thiem gegen Rafael Nadal. Die Startzeit in Paris ist traditionell um 15 Uhr.

Um 14:10 Uhr steigt der Große Preis von Baku. Die Formel 1, das ist vertraglich fixiert, muss auf ORF eins gezeigt werden. Ein möglicher Thiem-Showdown müsste demnach auf ORF2 weichen.

Laut Trost würde ORF Sport + ab dem Viertelfinale wegen des ORF-Gesetzes nicht mehr in Frage kommen.













ThemaCreated with Sketch.Weiterlesen

Nav-AccountCreated with Sketch. SeK TimeCreated with Sketch.| Akt:
NewsSportTennisDominic Thiem

CommentCreated with Sketch.Kommentieren