Unerfüllter Kinderwunsch ist für viele Menschen nicht nur eine medizinische Herausforderung, sondern vor allem eine enorme psychische Belastung. Eine aktuelle Studie aus Österreich zeigt nun, wie tief die Auswirkungen gehen – und wo es noch große Lücken in der Unterstützung gibt.
Anlässlich des Mental Health Month im Mai zeigt eine aktuelle Studie von Die Fruchtbar – Verein Kinderwunsch Österreich gemeinsam mit dem unabhängigen Forschungsinstitut TQS Research & Consulting, wie stark unerfüllter Kinderwunsch die psychische Gesundheit belasten kann.
Laut der Untersuchung berichten 72 Prozent der Betroffenen von Hoffnungslosigkeit, Traurigkeit oder depressiven Verstimmungen. Rund 65 Prozent empfinden die Situation als stark oder sehr stark belastend.
Besonders bemerkenswert: 66 Prozent sagen, dass die psychische Belastung zeitweise größer ist als die körperliche oder finanzielle. Für viele fühlt sich der unerfüllte Kinderwunsch sogar wie ein schwerer Verlust an – mehr als die Hälfte gibt an, sich mit ihren Gefühlen oft allein zu fühlen.
„Unerfüllter Kinderwunsch wird in Österreich noch immer vor allem als Privatangelegenheit gesehen und nach wie vor tabuisiert. Die psychischen Folgen bleiben oft unsichtbar. Die Daten zeigen aber klar, dass es auch um psychische Gesundheit geht. Wer über Monate oder Jahre mit Hoffnung, Enttäuschung, Scham und sozialem Druck lebt, braucht nicht nur medizinische Behandlung, sondern auch psychologische Begleitung und gesellschaftliches Verständnis,“Christina FadlerObfrau von Die Fruchtbar – Verein Kinderwunsch Österreich
Neben der persönlichen Belastung kommt ein gesellschaftliches Problem hinzu: 62 Prozent sehen unerfüllten Kinderwunsch in Österreich als Tabuthema. Viele Betroffene erleben fehlendes Verständnis im Umfeld oder fühlen sich sogar stigmatisiert. Gründe dafür sind oft Scham oder Unsicherheit im Umgang mit dem Thema.
Das zeigt: Es gibt eine klare Versorgungslücke.
Experten betonen, dass unerfüllter Kinderwunsch nicht nur ein medizinisches, sondern auch ein psychisches und gesellschaftliches Thema ist.
Die Studienautoren warnen davor, die Auswirkungen zu unterschätzen. Viele Betroffene leben über lange Zeit mit Hoffnung, Enttäuschung und sozialem Druck. "Die psychischen Folgen bleiben oft unsichtbar", heißt es aus der Patient:innen-Organisation.