Österreich gegen Deutschland! Dieser Zweikampf prägt seit Jahren den Rodel-Weltcup. In Cortina spitzt sich das Duell ab Samstag mit Beginn des Herren-Einsitzerbewerbs olympisch zu. Johannes Ludwig, dreifacher Olympiasieger und ZDF-Experte, erklärt im "Heute"-Interview, warum Österreich heute breiter, variabler und für Deutschland gefährlicher denn je ist.
Samstag, 7. Februar
17:00 – Einsitzer Männer · Lauf 1
18:32 – Einsitzer Männer · Lauf 2
Sonntag, 8. Februar
17:00 – Einsitzer Männer · Lauf 3
18:34 – Einsitzer Männer · Lauf 4
Für Ludwig ist klar: Beide Nationen betreiben Rodeln auf höchstem professionellem Niveau – aber auf völlig unterschiedliche Art.
Deutschland setzt stark auf Individualität. "Der Athlet muss sein Material verstehen, fühlen, mitentwickeln", so Ludwig. Der Schlitten ist stark an den jeweiligen Fahrer angepasst, Entscheidungen werden gemeinsam mit Mechanikern, aber sehr athletennah getroffen.
Österreich geht einen anderen Weg – und genau der macht den Unterschied. Die Material- und Schlittenthematik liegt dort stärker in den Händen der Trainer und Techniker. Die Fahrer vertrauen dem System, oft ohne jedes Detail zu kennen. Der entscheidende Vorteil: Österreich fährt bewusst mit Risiko-Abstufungen.
Ludwig: "Die Schlitten werden unterschiedlich aggressiv abgestimmt. Einer trifft immer und ist ganz vorne dabei." Aus deutscher Sicht sei das extrem unangenehm, sagt Ludwig offen. Denn selbst wenn ein Österreicher patzt, "ist meist ein anderer da, der ins Schwarze trifft".
Im Männer-Einsitzer erwartet der Titelverteidiger von Peking 2022 einen hochklassigen Zweikampf. "Jonas Müller ist aus österreichischer Sicht ganz vorne mit dabei. Auf deutscher Seite ist es Felix Loch. Das kann ein extrem spannendes Duell werden."
Dahinter lauert Österreich mit Tiefe: Wolfgang Kindl und Nico Gleirscher haben laut Ludwig beide realistische Podestchancen – vor allem über vier Läufe, in denen Konstanz zählt.
Ein Auge sollte man auch auf Italien werfen: Dominik Fischnaller und Co. sind Ludwig zufolge die Geheimfavoriten, dank deutlich mehr Trainingsfahrten auf der Olympiabahn.
Bei den Frauen sieht Ludwig Deutschland in der Breite vorne. Merle Fräbel und Julia Taubitz gehen als Favoritinnen ins Rennen. Österreichs Hoffnung: Lisa Schulte. Die Weltmeisterin und Weltcup-Führende kann zuschlagen. "Wenn die Deutschen Fehler machen", sagt Ludwig. Er sieht seine Landsfrauen in der Pole Position. "Es sind viele Läufe, da kann viel passieren. Am Ende gewinnt, wer die wenigsten Fehler macht."
Im Damen-Doppelsitzer nennt Ludwig wiederum die rot-weiß-rote Paarung Selina Egle und Lara Kipp als klare Favoritinnen, sofern sie ihr Niveau abrufen. "An denen wir es schwer, vorbeizukommen." Deutschland und Italien bleiben in Schlagdistanz. Bei den Herren-Doppelsitzern sieht er ein offenes Rennen: Deutschland mit Wendl/Arlt zwar am Papier vorne, Österreich mit mehreren Schlitten aber jederzeit medaillenfähig.
Rodel-Zeitplan in Cortina
Montag, 9. Februar
17:00 – Einsitzer Frauen · Lauf 1
18:35 – Einsitzer Frauen · Lauf 2
Dienstag, 10. Februar
17:00 – Einsitzer Frauen · Lauf 3
18:34 – Einsitzer Frauen · Lauf 4
Mittwoch, 11. Februar
17:00 – Doppelsitzer Frauen · Lauf 1
17:51 – Doppelsitzer Männer · Lauf 1
18:53 – Doppelsitzer Frauen · Lauf 2
19:44 – Doppelsitzer Männer · Lauf 2
Donnerstag, 12. Februar
18:30 – Team-Staffel
Der Ausfall von Madeleine Egle wiege für das österreichische Team speziell in der Team-Staffel schwer. Die Schwester von Selina fehlt nach drei verpassten Dopingkontrollen gesperrt. Ludwig: "Ich wage mir nicht zu urteilen, ob Doping im Spiel war. Fakt ist: Sie hat ihr Testsystem nicht so absolviert, wie es sein muss. So ein verpasster Test kann schnell passieren, wenn man nicht aufpasst. Mit Disziplin lässt sich das aber verhindern."
Herren-Einsitzer:
1. Felix Loch (GER) – 616 Punkte
2. Jonas Müller (AUT) – 615
3. Max Langenhan (GER) – 505
4. Nico Gleirscher (AUT) – 383
5. Kristers Aparjods (LAT) – 343
6. Wolfgang Kindl (AUT) – 329
Damen-Einsitzer:
1. Lisa Schulte (AUT) – 464
2. Julia Taubitz (GER) – 449
3. Merle Fräbel (GER) – 445
4. Hannah Prock (AUT) – 419
Herren-Doppelsitzer:
1. Tobias Wendl / Tobias Arlt (GER) – 566
2. Juri Gatt / Riccardo Schöpf (AUT) – 454
3. Toni Eggert / Florian Müller (GER) – 409
4. Martins Bots / Roberts Plume (LAT) – 408
5. Thomas Steu / Wolfgang Kindl (AUT) – 405
6. Yannick Müller / Armin Frauscher (AUT) – 367
Damen-Doppelsitzer:
1. Selina Egle / Lara Kipp (AUT) – 640
2. Dajana Eitberger / Magdalena Matschina (GER) – 508
3. Jessica Degenhardt / Cheyenne Rosenthal (GER) – 490