Die Erste Bank sperrt ihre Filiale am Keplerplatz (Wien-Favoriten). Nach aktueller Planung ist am 11. Dezember der letzte Öffnungstag. Für viele (langjährige) Kunden wie Alma S. (Name geändert) sorgte die Nachricht für Ärger und Unverständnis.
Die 80-jährige Favoritenerin ist seit 1962 Kundin und hat auch seit rund 20 Jahren ein Safe-Schließfach in der Filiale, jährlich zahlt sie dafür über 100 Euro: "Die Erste-Filiale ist sehr groß – wahrscheinlich sogar die größte in Favoriten. Sie hat vier oder fünf Kassen. Erst Anfang des Jahres haben sie außerdem ganz neue Automaten installiert", berichtet die Pensionistin.
Vor einiger Zeit erhielt Alma S. ein Schreiben der Bank, dass aufgrund der Schließung ihr Safe bis 13. November geräumt werden muss. Kommt sie dem nicht nach, wird der Safe unter notarieller Aufsicht geöffnet und gesondert aufbewahrt. Wie viele Safe-Kunden am Keplerplatz insgesamt betroffen sind, dazu gibt die Erste Bank "aus Sicherheitsgründen generell keine Auskünfte".
"Die haben mich einfach vor vollendete Tatsachen gestellt. Ich habe dann in der Zentrale angerufen, weil ich wissen wollte, warum die gut besuchte Filiale geschlossen wird. Man hat mir mitgeteilt, es sei aus Sicherheitsgründen. Sie können nicht mehr für die Sicherheit vor Ort garantieren", erzählt die 80-Jährige. Seit 1. Juli gibt es in der Filiale bereits keine Kassen mehr, Bargeschäfte sind nur noch im SB-Bereich möglich.
Die Filiale am Keplerplatz liegt in einer heiklen Gegend, was die Sicherheit betrifft: Sie wird 24 Stunden von Securities überwacht, in der Nacht ist zudem auch der SB-Bereich geschlossen. Kunden können nun etwa auf die Erste-Filiale am Reumannplatz ausweichen: "Aber die hat keine Schließfächer. Man hat mir dann eine Filiale in der Reinprechtsdorfer Straße (Margareten) vorgeschlagen, aber das ist ein Umweg für mich. Ich wohne ja in Favoriten und muss öffentlich hinfahren", klagt Alma S.
Die Pensionistin will sich nun eine neue Safe-Möglichkeit suchen – wenn nötig, auch bei einer anderen Bank: "Das ist gar nicht so einfach. Ich habe schon mehrere Filialen durchgerufen, die meisten bieten das gar nicht mehr an."
Die Erste Bank bestätigt gegenüber "Heute" die bevorstehende Schließung. "Unser Filialnetz wird laufend angepasst und verändert. Standortentscheidungen sind abhängig von einer Reihe von Faktoren – unter anderem Kundenverkehr, umliegende Infrastruktur und allgemeine Änderungen im Kundenverhalten", erklärt ein Sprecher.
In Favoriten bleiben die Filialen Erste Campus, Hauptbahnhof, Reumannplatz und Oberlaa bestehen. "Schließfächer sind in den Filialen Wieden oder Margareten verfügbar – letztere ist vom Keplerplatz mit dem 14 A direkt erreichbar", heißt es. Heuer stehen zudem noch zwei Schließungen von Erste-Filialen bevor: die Standorte Lassallestraße 34 (Leopoldstadt) und Frauenstiftgasse 10 (Floridsdorf).
Nach Angaben der Erste Bank wurden die betroffenen Kundinnen und Kunden bereits vor längerer Zeit über die Schließung der Keplerplatz-Filiale informiert. "Wir sind uns bewusst, dass wir mit derartigen Veränderungen leider nicht immer den Erwartungen aller Kund:innen entsprechen können", so der Sprecher.