"Nach der Diagnose brach für mich eine Welt zusammen", erzählt Andrea Kdolsky (63) im Gespräch mit "Heute". Kaum hatte sie den ersten schweren Schicksalsschlag – Darmkrebs – überwunden, folgte der nächste Schock: Ein Hirntumor. Trotz vergleichsweise geringer Heilungschancen für ihren Krebs kämpft die Wienerin weiter. Ihre Geschichte hat sie nun in dem Buch "Blume in der Wüste" festgehalten.
"Es geht mir sehr gut", resümiert die frühere Ministerin tapfer, nachdem sie zwei intensive Monate Chemotherapie sowie einen zehntägigen Spitalsaufenthalt in Oberwart (Burgenland) hinter sich gebracht hat. Doch diese Stärke war nicht immer selbstverständlich:
"Im Laufe meiner Erkrankung habe ich 40 Kilo abgenommen. Am schlimmsten ist die Übelkeit – ich konnte zeitweise nicht einmal essen", schildert Kdolsky offen die massiven Nebenwirkungen der Therapie.
Ein ständiger Begleiter ist zudem die Neuropathie (Sammelbegriff für Erkrankungen der peripheren Nerven). "Es ist, als würden einem Ameisen über die Finger laufen", beschreibt sie das quälende Gefühl. Blusen zuknöpfen oder Plastikverschlüsse aufdrehen wird zur Herausforderung. Besonders beim Schreiben ihres Buches bekam die 63-Jährige diese Einschränkung deutlich zu spüren. Umso größer ist ihr Stolz, das Werk dennoch innerhalb von vier Monaten fertiggestellt zu haben – "ganz ohne KI", wie sie betont.
Auch äußerlich hinterlassen die Therapien Spuren. "Natürlich macht eine Glatze einen nicht schöner", stellt Kdolsky klar. Mit der Zeit werde man zwar weniger eitel, "egal wird es einem aber nie. Man ist schließlich immer noch Frau". Ob mit oder ohne Perücke lässt sie sich fotografieren und nimmt Termine wahr. "Ich freue mich aber jedes Mal, in der Maske hübsch gemacht zu werden", sagt sie lächelnd.
So positiv wie heute war sie nicht immer. "Nach der Diagnose im Jahr 2024 brach für mich erneut eine Welt zusammen", erzählt Kdolsky. Als Ärztin kennt sie die Realität schwerer Krankheitsverläufe, die Nebenwirkungen – und auch die Todesfälle.
Schreckliche Bilder und die Frage "Warum ich?" gingen ihr durch den Kopf. Doch für sie stand bald fest: "Ich gebe nicht auf."
Statt zu verzweifeln, setzte sie sich Ziele, die ihr Kraft geben sollten. "Ich wollte ein Buch schreiben, mit meiner Vespa Touren machen und das Maggie’s Zentrum für Krebsbetroffene ausbauen", zählt sie auf. Das Buch ist nun vollendet. Mit ihm will Kdolsky jenen eine Stimme geben, die oft keine haben – ehrlich, verständlich und ohne Beschönigung.