Wen die Folgen der Pandemie weltweit besonders treffen

Die Maßnahmen zehren an den Nerven - bei jung und alt.
Die Maßnahmen zehren an den Nerven - bei jung und alt.Getty Images
Laut Studie des Roten Kreuzes sind besonders Frauen und Kinder die Leidtragenden der Pandemie. Ungleichheiten wurden sichtbar gemacht und verstärkt.

Das Rote Kreuz steht weltweit im Corona-Einsatz und hat in einer Studie die sozioökonomischen Folgen der Corona-Pandemie untersucht. Von April bis Juli 2021 wurden dafür 48 nationale Rotkreuzgesellschaften aus Asien, Afrika, Südamerika und Europa befragt und eingebunden, von Jemen über Portugal bis Kolumbien, Interviews geführt und aktuelle Daten von der Organisation ACAPS ausgewertet.

Das Ergebnis: Frauen und Kinder sind stärker betroffen als Männer, städtische Gebiete stärker als ländliche Regionen, Migranten leiden besonders, und ärmere Länder, die ohnehin schon mit Problemen zu kämpfen hatten, werden in ihrem Wachstum weit zurückgeworfen.

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Jetzt auf die Schwächsten achten

"Das Corona-Virus hat den Fortschritt der Entwicklungspolitik von Jahrzehnten aufgefressen. Es hat die Welt verändert, aber nicht zum Positiven. Jetzt geht es darum, dass wir auf die Schwächsten in unserer Gesellschaft achten – national wie international", sagt Rotkreuz-Präsident Gerald Schöpfer. "Wie eine Lupe hat die Pandemie Ungleichheiten sichtbar gemacht und weiter verschärft. Wir werden nicht sagen können, dass die Pandemie zu Ende ist, bevor nicht die sozioökonomischen Folgen benannt und bekämpft werden."

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Frauen sind stärker betroffen, weil sie öfter im informellen Arbeitssektor oder im Tourismus arbeiten. Zudem übernehmen sie oft die Pflege in den Haushalten, auch von Coronakranken, wodurch sie ein höheres Infektionsrisiko haben. Lockdownsund die soziale Isolation haben sie vulnerabler für sexuelle und genderbasierte Gewalt gemacht. Auch die psychischen Auswirkungen fallen dadurch stärker aus. Kinder haben vor allem unter dem Verlust an Bildungschancen zu leiden. Auch für sie ist in von Corona besonders betroffenen Haushalten die Gewaltgefahr gestiegen. Bis 2030 könnten zu den ohnehin schon befürchteten 100 Millionen Kindern zusätzliche 100 Millionen Mädchen zwangsverheiratet werden.

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Problemfall Afghanistan

Etwa 124 Millionen Menschen sind 2020 durch die Corona-Krise in die Armut abgerutscht, 60 Prozent davon in Asien. Die globale Wirtschaft schrumpfte um geschätzte 3,5 Prozent und 80 Prozent der Länder des globalen Südens schlitterten in eine Rezession. In den Städten sind die Auswirkungen dort am größten, wo Menschen selbständig Waren produzieren, verkaufen oder als Tagelöhner arbeiten müssen. In Afghanistan zum Beispiel stieg die Armutsrate im städtischen Gebiet von 41,6 Prozent 2016-2017 auf ein Rekordhoch von 45,5 Prozent 2019-2020 – mit einem Höchststand von 55,2 Prozent während des anfänglichen Lockdowns. 88 Prozent der Haushalte in afghanischen Städten haben Einkommensverluste erlitten. Die Schulen waren von März bis August 2020 geschlossen und in vielen Fällen war Home-Schooling keine Option. Gemäß des Gesundheitsministeriums hat die Pandemie Ängste, Einsamkeit, Depressionen und den Drogen-Konsum in Afghanistan ansteigen lassen. 700.000 intern Vertriebene haben den gesellschaftlichen Druck dieses Jahr weiter erhöht.

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Das Rote Kreuz hat seine Hilfsmittel aufgestockt und unterstützt mit der Hilfe Millionen Freiwilliger die Arbeit der Behörden in 192 Ländern auf lokaler Ebene. www.roteskreuz.at/spenden

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