Auf den ersten Blick wirkt die Entwicklung positiv. Die Zahl der Privatkonkurse ist im Vergleich zum Vorjahr um 4,6 Prozent gesunken. Doch Entwarnung geben Experten keine. Im Gegenteil – viele Haushalte kämpfen weiterhin mit massiven finanziellen Belastungen, das geht aus einer Aussendung von CRIF Österreich hervor.
"Die aktuellen Zahlen dürfen nicht als nachhaltige Entspannung interpretiert werden", sagt CRIF-Österreich-Chefin Anca Eisner-Schwarz. Zwar ist die Inflation zuletzt etwas gesunken, doch hohe Preise für Energie und Lebensmittel drücken weiter auf die Budgets. Viele greifen bereits ihre Ersparnisse an, um Miete, Kredite oder den Alltag zu finanzieren.
Für das Gesamtjahr 2026 wird sogar ein Anstieg erwartet: Bis zu 9.000 Privatkonkurse könnten es werden – nach 8.761 im Jahr davor. Auch wirtschaftliche Unsicherheiten schlagen oft erst mit Verzögerung durch.
Deutliche Unterschiede zeigen sich regional: Wien liegt mit 798 Fällen klar an der Spitze. Dahinter folgen Oberösterreich (325) und Niederösterreich (290). Besonders niedrig sind die Zahlen im Burgenland (27) und Salzburg (81). Pro Kopf gerechnet ist Wien ebenfalls trauriger Spitzenreiter.
Am häufigsten betroffen sind Menschen zwischen 40 und 49 Jahren. Dahinter folgen die 30- bis 39-Jährigen. Am seltensten trifft es die unter 30-Jährigen.
Die Gründe sind vielfältig: Arbeitslosigkeit spielt eine zentrale Rolle, ebenso persönliche Schicksalsschläge wie Krankheit oder Scheidung. Während Jüngere oft kaum Rücklagen haben, kämpfen Ältere verstärkt mit steigenden Fixkosten oder dem Verlust eines Partners.
Ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor ist die aktuelle Gesetzeslage: Derzeit können sich Betroffene innerhalb von drei Jahren entschulden. Diese Regel läuft jedoch im Juli 2026 aus. Sollte danach wieder eine längere Frist gelten, könnte es zu einem Ansturm auf Privatkonkurse kommen.