Wohnraum ist knapp und Familien haben es auf dem Wohnungsmarkt besonders schwer. Eine Wohnbaugenossenschaft in Luzern geht deshalb jetzt einen ungewöhnlichen Weg - und sorgt damit für Aufsehen.
In der neuen Überbauung Libellenhof richtet sich die Miete nicht nur nach Größe und Lage der Wohnung, sondern auch nach der Anzahl der Bewohner. Für jede zusätzliche Person im Haushalt sinkt der monatliche Mietzins um 200 Franken (rund 215 Euro). Nach Angaben der Genossenschaft ist ein derartiges Modell in dieser Form schweizweit einzigartig.
Der Unterschied ist beachtlich: Eine 4,5-Zimmer-Wohnung mit rund 106 Quadratmetern kostet für eine Einzelperson 3.140 Franken brutto. Ein Paar zahlt 2.940 Franken, eine vierköpfige Familie nur noch 2.540 Franken. Bei fünf Personen in der Wohnung sinkt der Mietzins sogar auf 2.340 Franken. Zwischen einer Einzelperson und einer fünfköpfigen Familie liegen damit 800 Franken pro Monat.
In einer 6,5-Zimmer-Wohnung zahlt eine Familie mit vier Kindern sogar 1.000 Franken (1.075 Euro) weniger als ein Single. Der Zuschuss von 200 Franken pro zusätzlicher Person ist vorerst bis September 2030 befristet. Danach sinkt er auf 100 Franken.
Mit dem Modell will die Genossenschaft erreichen, dass große Wohnungen möglichst von Familien genutzt werden. Gleichzeitig sollen auch Singles und ältere Paare dort wohnen. Wechseln sie später intern in kleinere Wohnungen, wird Platz für Familien frei.
Ganz ohne Haken funktioniert das Modell allerdings nicht. Die Preisnachlässe für größere Haushalte werden durch jene finanziert, die allein oder zu zweit in einer Wohnung leben und den regulären Mietzins bezahlen. Laut Genossenschaft ist diese Querfinanzierung notwendig, um Familien gezielt entlasten zu können.
Das Interesse ist jedenfalls groß: Rund 90 Prozent der 4,5-Zimmer-Wohnungen sind bereits an Familien vergeben.