Wichtige Fragen und Antworten zur Kinder-Covid-Impfung

Eltern können ihre Kinder ab 5 Jahren bereits "off label" impfen lassen - in Wien und Tirol.
Eltern können ihre Kinder ab 5 Jahren bereits "off label" impfen lassen - in Wien und Tirol.Getty Images/iStockphoto
Aktuell kann man Kinder ab 5 Jahren "off label" gegen Corona impfen lassen. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten dazu zusammengetragen.

Diese Woche wird eine Entscheidung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) zur Zulassung des Covid-19-Impfstoffs Comirnaty® von BioNTech/Pfizer für Kinder ab 5 Jahren erwartet. Danach folgt die Empfehlung durch das Nationale Impfgremium (NIG). Bis dato ist die Impfung für Personen ab 12 Jahren zugelassen. In Wien und Tirol ist es jetzt aber bereits möglich, Kinder ab 5 Jahren "off label" impfen zu lassen. Das bedeutet, sie ist derzeit nicht zugelassen, kann aber dennoch nach Aufklärung der Eltern verabreicht werden. Vor allem in Wien ist die Nachfrage groß. Nachdem die ersten 9.400 Termine binnen 48 Stunden vergeben waren, wurden am Montag 54.400 neue Corona-Impftermine für Kinder zwischen 5 und 11 Jahren freigeschaltet. 

Hier lesen: EMA entscheidet am Donnerstag über Impfstoff für Kinder

Ist die Impfung für Kinder unter 12 schon wo offiziell zugelassen?

Derzeit ist der Corona-Impfstoff "Comirnaty" von BioNTech/Pfizer für Kinder zwischen 5 und 12 Jahren beispielsweise in den USA zugelassen. Das Unternehmen erhielt am 29.10.2021 eine Notfallzulassung für diese Altersgruppe. Inzwischen sind dort bereits mehr als zwei Millionen Kinder im Alter von 5 bis 11 Jahren gegen Corona geimpft worden.

Länder, die den Impfstoff für Kinder ab 5 Jahren kürzlich zugelassen haben, sind Israel und Kanada. China, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kambodscha und Kolumbien impfen Kinder unter 12 ebenfalls - allerdings mit chinesischen Impfstoffen. Italien wartet ebenso wie Österreich auf die Zulassung der EMA und will ab Dezember Kinder ab fünf Jahren impfen.

Hier lesen: Israel gibt Corona-Impfung für Kinder ab 5 Jahren frei

Warum soll ich mein Kind impfen lassen?

Eine Studie im "New England Journal of Medicine" von November 2021 umfasste 2268 Kinder zwischen 5 und 11 Jahren. Zwei Drittel von ihnen bekam je zwei 10 Mikrogramm-Dosen des Impfstoffs, ein Drittel ein Placebo. Drei der geimpften Kinder erkrankten in der Beobachtungszeit an Covid-19, in der Kontrollgruppe waren es 16. Die Forscher beziffern die Wirksamkeit des Impfstoffs damit auf 90,7 Prozent.

Die Vorteile der Impfung von Kindern und Jugendlichen gehen über den direkten Gesundheitsnutzen hinaus. Der Schulbesuch ist entscheidend für das Wohlergehen und die Lebensperspektiven von Kindern und für die Beteiligung der Eltern am Wirtschaftsleben. Eine Impfung, die die COVID-Übertragung in dieser Altersgruppe verringert, kann die Übertragung von Kindern und Jugendlichen auf ältere Erwachsene reduzieren und dazu beitragen, die Zahl der Schulunterbrechungen zu minimieren, indem die Zahl der Infektionen in der Schule und die Zahl der Kinder, die aufgrund von Quarantäneauflagen dem Unterricht fernbleiben müssen, verringert wird.

Hier lesen: Warum Eltern damit hadern, ihr Kind impfen zu lassen

Welcher Impfstoff wird verwendet?

Geimpft wird ausschließlich mit dem Vakzin von BioNTech/Pfizer in einer kinderfreundlichen Dosierung. Die Studie im "New England Journal of Medicine" zeigte, dass eine Dosis von 10 Mikrogramm bei Kindern unter 12 am besten wirkt und verträglich ist. Daher bekommen die Kleinen zwei Impfungen mit der niedrigeren Dosis. Ob eine dritte Impfung nötig ist, steht derzeit noch nicht fest. 

Wie sieht es mit den Nebenwirkungen aus?

Beobachtet wurden nur "milde und vorübergehende Reaktionen" wie Fieber, Schmerzen am Einstich, Müdigkeit oder KopfschmerzenHerzmuskelentzündungen, wie sie nach breiterer Impfung von über 12-Jährigen vereinzelt vorkamen, wurden in dieser Probandengruppe nicht festgestellt.

Wo kann ich mein Kind für die Impfung anmelden? 

Die Anmeldung zur Impfung kann sowohl telefonisch über das Gesundheitstelefon 1450 als auch online über impfservice.wien gemacht werden. Zu beachten ist, dass interessierte Eltern einen Account für sich selber erstellen müssen und dann unter der Rubrik "Personendaten" ihre Kinder als zusätzliche Angehörige anlegen müssen, da die Impfung für Personen unter 14 Jahren nur mit der Zustimmung einer obsorgeberechtigten Person erfolgen kann. In Wien wird im Austria Center geimpft. 

Kinder bekommen eh keinen schweren Verlauf. Braucht es da die Kinderimpfung überhaupt?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nimmt dazu Stellung:

Kinder und Jugendliche zeigen in der Regel weniger und mildere Symptome einer SARS-CoV-2-Infektion als Erwachsene und sind seltener von einer schweren COVID-19-Infektion betroffen als Erwachsene. Jedoch können auch bei Kindern und Jugendlichen länger anhaltende klinische Symptome auftreten (bekannt als "Long Covid"). Darüber hinaus wurde im Zusammenhang mit Corona ein "Pädiatrische hyperinflammatorische Syndrom mit Multiorganbeteiligung" (Multisystem Inflammatory Syndrome in Children/MIS-C) bei Kindern weltweit beobachtet, das die Genesung von COVID-19 erschwert und unbehandelt zum Tod führt.

Hier lesen: Kinderärzte: Gefährliche Immunreaktion folgt auf Covid

In jüngster Zeit wurden mehrere Risikofaktoren für eine schwere COVID-19-Erkrankung bei Kindern gemeldet, darunter höheres Alter, Fettleibigkeit und Vorerkrankungen. Zu den Vorerkrankungen, die mit einem höheren Risiko für schwere COVID-19 einhergehen, gehören Typ-2-Diabetes, Asthma, Herz- und Lungenerkrankungen sowie neurologische und neuromuskuläre Erkrankungen.

Ist der Impfstoff sicher? 

Laut WHO waren in Phase-2/3-Studien für mRNA-Impfstoffe Wirksamkeit und Immunogenität ähnlich oder höher als bei Erwachsenen. Sicherheits- und Impfreaktionen bei Jugendlichen waren ähnlich wie bei jungen Erwachsenen. Bei mRNA-COVID-19-Impfstoffen wurde ein sehr seltenes Auftreten von Myokarditis/Perikarditis gemeldet, da einige Länder begonnen haben, diese Impfstoffe in ihren COVID-19-Programmen zu verwenden. Diese Fälle traten häufiger bei jüngeren Männern (16-24 Jahre) und nach der zweiten Dosis des Impfstoffs auf, in der Regel innerhalb weniger Tage nach der Impfung.

Die verfügbaren Daten deuten darauf hin, dass die Fälle von Herzmuskelentzündung und Herzbeutelentzündung nach der Impfung in der Regel mild verlaufen und gut behandelbar sind. Zudem sind sie weniger schwerwiegend und nehmen einen besseren Verlauf als die klassische Myokarditis oder eine Covid-19-Erkrankung. Das Risiko einer Myokarditis/Perikarditis im Zusammenhang mit einer SARS-CoV-2-Infektion ist höher als das Risiko nach einer Impfung. 

Obwohl das Myokarditis-Risiko bei Jugendlichen und/oder Kindern noch nicht ermittelt worden ist, kam im Oktober 2021 der Globale Beratende Ausschuss für Impfstoffsicherheit (Global Advisory Committee on Vaccine Safety, GACVS) zu dem Schluss, dass in allen Altersgruppen der Nutzen von mRNA-COVID-19-Impfstoffen die Risiken überwiegt. 

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