Mit hängenden Schultern und Sorgen um seine Zuckerwerte verließ Alexander Zverev eine gute Woche vor dem Start in Wimbledon den Centre Court von Halle. Erneut hatte der French-Open-Sieger gesundheitliche Schwierigkeiten und war nach einer zweieinhalbstündigen Hitzeschlacht fix und fertig.
"Ich habe gekämpft und alles gegeben", betonte Zverev nach dem 7:6 (7:4), 4:6, 5:7 gegen Taylor Fritz und erklärte seine Philosophie des ewigen Einzelkämpfers: "Im Tennis braucht man ein kurzes Gedächtnis, weil das nächste Turnier immer schon nächste Woche ist – und jetzt ist das Wimbledon."
Zverev ist Typ-1-Diabetiker und trägt einen Sensor, der kontinuierlich seinen Blutzucker misst. Am Samstag fuhren seine Werte Achterbahn. "Vor dem Match hat der Sensor fälschlicherweise extrem hohen Zucker angezeigt, so dass ich viel, zu viel Insulin gespritzt, habe", berichtete der 29-Jährige. "In den ersten 45 Minuten des Matches musste ich deshalb knapp 350 Gramm Zucker zu mir nehmen, weil ich sonst unterzuckert gewesen wäre."
Er habe "ein Glukose-Gel nach dem anderen getrunken, so dass ich am Ende auf mehr als 300 Gramm Zucker kam. Das ist, als ob man während eines Matches dreieinhalb Liter Cola trinkt – ich habe mich scheußlich gefühlt." Nach zuvor insgesamt zehn Siegen in Serie schien sich im Halbfinale von Halle alles gegen ihn verschworen zu haben: Bei einer Behandlungsunterbrechung nach 40 Minuten musste ihm der Rücken wieder eingerenkt werden – aber noch schlimmer waren die Probleme mit seinen Zuckerwerten.
Deswegen macht sich Zverev jetzt auch keine Sorgen um Wimbledon. Seit neun Jahren habe er den Sensor, aber solch falsche Werte habe er noch nie angezeigt. Zverev fokussiert sich ab sofort auf die positiven Signale seiner Woche in Halle: "Ich finde, dass ich mich auf Rasen gut gefunden habe – das kann ich hoffentlich auch in Wimbledon zeigen."