Luxusläden geplündert

"Wie Apokalypse" – Gewalt-Nacht des Grauens in Paris

Ausgebrannte Autos, geplünderte Geschäfte, zertrümmerte Scheiben! Paris erwacht nach einer Nacht voller Gewalt. Über 1.000 Helfer räumen auf.
18.10.2026, 11:11
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Frankreichs Hauptstadt gleicht am Sonntagmorgen (18. Oktober) stellenweise einem Trümmerfeld. Nach den schweren Ausschreitungen vom Samstag wird erst bei Tageslicht das ganze Ausmaß der Zerstörung sichtbar. Besonders betroffen sind die Pariser Innenstadt und mehrere Geschäftsviertel. Sogar exklusive Luxusgeschäfte wurden ausgeraubt.

Bereits in den frühen Morgenstunden rückten mehr als 1.000 Mitarbeiter der Stadt aus, um Straßen freizuräumen und Schäden zu beseitigen.

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"Die Gelbwesten waren dagegen Chorknaben"

Wie die französische Zeitung "Le Parisien" berichtet, bot sich den Einsatzkräften am Sonntag ein erschütterndes Bild. Auf dem Boulevard Poissonnière lagen verbrannte Elektrofahrräder und Glasscherben verstreut. Nahe der Porte Saint-Denis standen die ausgebrannten Wracks zweier Autos. Mancherorts rauchten noch Müllhaufen.

Auf dem Place de la République waren die Spuren der heftigen Zusammenstöße mit der Polizei allgegenwärtig. Zerstörte Bushaltestellen, ausgebrannte Kioske und beschädigte Geschäfte prägten das Straßenbild.

Eine Kellnerin einer Brasserie am Platz zeigte sich fassungslos über die Zerstörung. "Die Gelbwesten waren dagegen Chorknaben ... Hier war die Apokalypse", erklärte sie.

Eine Verantwortliche der städtischen Reinigungskräfte rechnet damit, dass die Aufräumarbeiten noch mehrere Tage dauern werden.

Plünderer schlagen selbst am Morgen noch zu

Besonders erschreckend: Die Gewalt und Plünderungen waren selbst am frühen Sonntagmorgen noch nicht vollständig vorbei. Im Bereich Les Halles und Strasbourg-Saint-Denis wurden weitere Einbrüche in Geschäfte gemeldet.

Gegen 7 Uhr versuchten mehrere Personen, in Filialen von Asics und Citadium einzudringen. Alarmanlagen wurden ausgelöst, Sicherheitskräfte mussten einschreiten.

Auch Supermärkte, Apotheken, Banken, Bekleidungsgeschäfte und kleinere Einzelhandelsbetriebe waren Ziel der Angreifer geworden. In manchen Straßenzügen blieb kaum ein Geschäft verschont.

Geschäftsleute stehen vor den Trümmern

Am Boulevard Voltaire betrachteten Bewohner am Sonntagmorgen fassungslos die Schäden. Eine Frau, die über einem völlig verwüsteten Immobilienbüro wohnt, zeigte sich den Tränen nahe. "Ich teile die Forderungen der Demonstranten, aber die ganze Straße wurde verwüstet", beklagte sie.

Besonders hart traf es auch einen unabhängigen Laden für Sammelkarten und Figuren. Nach den nächtlichen Plünderungen waren von den Waren vielerorts nur noch leere Verpackungen übrig.

Ein Anwohner berichtete zudem, dass die Leiterin eines Carrefour-Geschäfts bei den Ausschreitungen verletzt und ins Krankenhaus gebracht worden sei.

Die Pariser Stadtverwaltung begann am Sonntag damit, die Schäden systematisch zu erfassen. Nach Angaben von Vizebürgermeisterin Lamia El Aaraje müssen zahlreiche Beschäftigte damit rechnen, vorübergehend nicht arbeiten zu können, weil ihre Geschäfte zerstört wurden.

Selbst Luxusmeile nicht verschont

Die Plünderer machten auch vor den teuersten Einkaufsstraßen der Hauptstadt nicht halt. Auf der Avenue Montaigne, der Rue Saint-Honoré und nahe den Champs-Élysées wurden Luxusgeschäfte angegriffen. Ein Geschäft der Modemarke Céline wurde offenbar besonders schwer getroffen: In den Regalen befanden sich nach der Plünderung keine Lederwaren mehr.

Auch an anderen Standorten waren Schaufenster eingeschlagen und Geschäfte aufgebrochen worden. Damit erreichten die Ausschreitungen selbst jene Viertel, die nur wenige Schritte von den wichtigsten politischen Einrichtungen Frankreichs entfernt liegen.

Mehr als 1.700 Protestaktionen in Frankreich

Ausgangspunkt der Gewalt war ein landesweiter Protesttag gegen hohe Lebenshaltungskosten und schlechte Bedingungen im Bildungswesen.

Zwischen 550.000 und 800.000 Menschen beteiligten sich nach den vorliegenden Angaben an mehr als 1.700 Aktionen in Frankreich. Viele Demonstrationen verliefen friedlich, doch in mehreren Städten kam es zu schweren Ausschreitungen.

In Paris attackierten kleinere Gruppen die Polizei, errichteten Barrikaden und zogen anschließend plündernd durch Einkaufsstraßen.

Feuerteufel fackeln Rathaus ab

Auch andernorts eskalierte die Situation. In Limoges brannte das Rathaus, in Marseille wurde das Rathaus gestürmt und in Lyon ein historisches Gebäude des Tourismusbüros angezündet.

Am Samstagabend hatte Innenminister Laurent Nuñez zunächst rund 400 Festnahmen landesweit gemeldet. Zu diesem Zeitpunkt waren außerdem etwa 60 verletzte Polizisten und Gendarmen bekannt, zwei davon schwer verletzt.

Diese Zahlen stellten eine Zwischenbilanz dar, vielerorts sind die Einsätze noch längst nicht abgeschlossen.

Paris braucht Tage zum Aufräumen

Am Sonntag steht die französische Hauptstadt vor einer gewaltigen Aufgabe. Mehr als 1.000 städtische Mitarbeiter versuchen, Straßen und Plätze wieder benutzbar zu machen. Beschädigte Geschäfte müssen gesichert, ausgebrannte Fahrzeuge entfernt und zerstörte Einrichtungen repariert werden.

Wie hoch der Gesamtschaden tatsächlich ausfällt, lässt sich noch nicht sagen. Frankreichweit wird bereits mit Schäden in Millionenhöhe gerechnet.

red, Akt. 18.10.2026, 11:15, 18.10.2026, 11:11
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