In Frankreich ist es am Samstag bei Massenprotesten zu schweren Ausschreitungen gekommen. Zehntausende Menschen demonstrierten gegen die hohen Lebenshaltungskosten und Probleme im Bildungssystem. In mehreren Städten lieferten sich Demonstranten Auseinandersetzungen mit der Polizei. Landesweit wurden bis zum frühen Nachmittag mehr als 160 Personen festgenommen.
Besonders heftig waren die Zusammenstöße in der Hauptstadt. Tausende versammelten sich am Platz der Republik, wo Sicherheitskräfte mit Tränengas und Wasserwerfern eingriffen. Der Demonstrationszug setzte sich dennoch in Bewegung.
Bei einem Angriff auf einen Fernsehsender flogen Gegenstände gegen die Fenster. Mehr als 20 Menschen wurden festgenommen. Weitere 100 Personen nahm die Polizei in anderen Teilen von Paris fest. Sie sollen Schutzausrüstung und "verbotene Waffen" mitgeführt haben. Rund um den Präsidentenpalast, den Regierungssitz und die Champs-Elysees waren Demonstrationen untersagt.
Auch außerhalb von Paris spitzte sich die Lage zu. In Marseille wurden Geschäfte geplündert, zudem gab es einen versuchten Angriff auf eine Polizeiwache. Vermummte verschafften sich kurzzeitig Zugang zur Eingangshalle des Rathauses.
In Lyon stand ein Tourismusbüro in Flammen. Rund 300 Demonstranten wurden nahe der Universität mit Tränengas vertrieben. In Rennes blockierten Protestierende Straßen, in Rouen wurde ein Universitätsgebäude durch einen Brand beschädigt.
Für den Aktionstag waren landesweit rund 1.500 Kundgebungen und Blockaden angekündigt. Neben Schülern beteiligten sich auch Studierende, Gewerkschaften und Vertreter der Landwirtschaft. Auch die "Gelbwesten" hatten mobilisiert.
Präsident Emmanuel Macron hatte im Vorfeld zu friedlichen Protesten aufgerufen. Innenminister Laurent Nunez schloss bei einem "extrem schweren" Verlauf auch Blendgranaten nicht aus. Laut Innenministerium waren zahlreiche Personen aus der ultralinken Szene beteiligt. Es berichtete von Angriffen auf Polizisten, Behörden und Medien sowie von Brandstiftungen und Plünderungsversuchen.
Die Wut vieler Demonstranten richtet sich direkt gegen Macron. Seine Amtszeit endet im Mai 2027. In Umfragen zur Nachfolge liegt derzeit die Rechtspopulistin Marine Le Pen vorne.