Schwere Schäden nach Unwettern

"Wie Bombenangriff" – Hagel bis 15 cm verwüstet Italien

Seit Tagen toben heftige Superzellen-Unwetter im Norden Italiens. Die Schäden sind enorm, Anwohner berichten von apokalyptischen Szenen.
Roman Palman
22.07.2026, 12:26
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Während der Süden Italiens weiter bei brütenden 40 Grad plus schwitzt, entlädt sich im Norden des Landes seit dem Wochenende eine gewaltige Unwetter-Serie. Auch am Dienstag brauten sich mehrere Superzellen-Gewitter zusammen. Dabei handelte es sich nicht nur um lokale Gewitter, sondern um riesige Unwettersysteme, die sich teils über viele, viele Kilometer erstreckten und auch aus dem All sichtbar waren.

Sie richteten entlang ihrer Zugbahn über die Po-Ebene in Richtung Adria schwere Schäden an. Besonders die beliebten Urlaubsregionen von Venedig bis nach Ancona traf es hart.

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Hagel mit riesigen Ausmaßen von bis 15 cm (!) konnten dokumentiert werden. In Sottomarina zog ein Tornado an der Küste entlang und richtete zahlreiche Schäden an.

"In den Minuten unmittelbar nach dem Unwetter schien das Ortszentrum in die Weihnachtszeit versetzt worden zu sein: Vor der Kirche ergoss sich ein Wasserfluss, der durch die große Menge an Hagel, die innerhalb weniger Minuten gefallen war, weiß gefärbt war", beschreibt der "Corriere della Sera" die Ereignisse rund um die Gemeinden Sermide und Felonica in der Provinz Mantua.

Im Raum Ferrara, Region Emilia-Romagna, haben starker Hagel und Sturmböen Fensterscheiben, Dächer und Photovoltaikmodule zerstört. Auf den Autobahnen kam der Verkehr zum Erliegen, eine Weiterfahrt war unmöglich: "Der Himmel wurde plötzlich schwarz, dann fiel Hagel, groß wie Steine. Meine Windschutzscheibe wurde völlig zerstört. Ich bin an den Straßenrand gefahren und habe mir das Gesicht geschützt", schildert ein Betroffener auf der A13. Es sei "wie ein Bombenangriff" gewesen.

Die reißenden Winde haben zudem allein im Raum Ravenna, Emilia-Romagna, über 100 Bäume gefällt. Straßen waren blockiert, Stromleitungen gekappt. Die Energieversorgung fiel in mehreren Orten aus. Zahlreiche Zugverbindungen mussten eingestellt werden, auch das Dach einer Schule wurde abgedeckt.

Ähnlich das Bild in den Marken. Auch hier standen Feuerwehren im Dauereinsatz, um Straßen zu räumen und geflutete Unterführungen trockenzulegen. In Bari wurden die Parks geschlossen, und drei Flugzeuge mussten wegen der Stumböen auf andere Flughäfen umgeleitet werden.

Die norditalienischen Bauern stehen nach dieser Unwetter-Serie vor einer existenzbedrohenden Katastrophe: Obstgärten und Äcker wurden vom Hagel völlig zerschossen, Schutznetze und Pfähle einfach niedergerissen. Erste Schätzungen der Schäden in den betroffenen Regionen reichen bis in den dreistelligen Millionenbereich.

Besonders bei Soja, Hirse, Mais, Reis und Sonnenblumen sind die Ausfälle enorm, berichtet der "Corriere". Landwirt Paolo Bassi aus Mantua beschreibt apokalyptische Ausmaße: "Innerhalb von fünf Minuten habe ich auf 120 Hektar Mais einen Schaden von 80 Prozent erlitten und den Totalverlust von 25 Hektar Wassermelonen, die im August auf den Markt gekommen wären, hinnehmen müssen."

Zum Zeitpunkt dieser Schilderung hatte er noch nicht einmal seine Gewächshäuser auf Schäden kontrollieren können: "Aufgrund der starken Regenfälle sind die Felder unzugänglich."

Landwirtschaftsvertreter fordern nun finanzielle Hilfe aus dem Katastrophenfonds und seitens der EU.

Klimawandel lässt Hagel wachsen

Innerhalb von drei Tagen wurden im Norden 192 (!) massive Hagelereignisse mit Korngröße von oft bis zu zehn Zentimetern gezählt. Diese Unmengen an schweren Hagelereignissen sind auch eine Folge des Klimawandels. "Norditalien zeigt global gesehen übrigens einen der stärksten klimawandel-bedingten Trends zu größerem Hagel auf", sagt ORF-Meteorologe Manuel Oberhuber mit Verweis auf eine entsprechende Studie.

Aktuell ist in der Regioen wieder sehr viel Energie in der Atmosphäre vorhanden, die sich dann in solchen Superzellen-Unwettern entlädt: Das Mittelmeer ist mit 30 bis 32 Grad Wassertemperatur nicht nur bacherlwarm, sondern bis zu 6 Grad (!) wärmer als im langjährigen Schnitt. Ebenso heiß ist die Luft: Im Norden wurden über 35 Grad, in Zentralitalien und dem Süden über 40 Grad gemessen.

Das Mittelmeer ist in diesem Sommer viel zu warm! Die roten und dunkelroten Farbtöne kennzeichnen Gebiete, in denen Ende Juni Meeresoberflächentemperaturen über dem langjährigen Durchschnitt gemessen wurden. Die größten Abweichungen erreichten etwa 6 °C im westlichen Mittelmeer, insbesondere im Golf von Lion vor der Küste Südfrankreichs sowie im Ligurischen und Tyrrhenischen Meer entlang der Westküste Italiens.
EU/Copernicus Marine Service Data

Diese warmen, feuchten Luftmassen treffen in Höhenlagen auf kältere, trockenere Luftmassen. Dabei bilden sich Cumulonimbus-Wolken. "In den Wolken werden Eiskörner von den Strömungen auf und ab getragen: Sie nehmen weiteres Wasser auf, wachsen und fallen herab, wenn ihr Gewicht nicht mehr getragen werden kann", erklärt der Klimaphysiker Antonello Pasini den Vorgang.

Das Schlimmste dürfte Italien zumindest vorerst überstanden haben: Ab Mittwoch soll sich das subtropische Hoch zurückziehen und die Temperaturen sinken. Im Apennin und an der Adriaküste sind jedoch weitere Gewitter möglich.

{title && {title} } rcp, {title && {title} } Akt. 22.07.2026, 12:40, 22.07.2026, 12:26