Wie sinnvoll ist die 7-Tages-Inzidenz noch?

Menschen in der Innenstadt am Graben in Wien
Menschen in der Innenstadt am Graben in WienGEORG HOCHMUTH / APA / picturedesk.com
Die Corona-Zahlen steigen weiter und so auch die 7-Tages-Inzidenz. In den Spitälern ist die Lage aber entspannt. Brauchen wir neue Richtwerte?

Die Corona-Situation verschärft sich wieder einmal. In ganz Europa ist ein Anstieg der Infektionszahlen zu beobachten, auch in Österreich. So wurden am Mittwoch 431 neue Fälle gemeldet. Laut Daten der AGES wurden bislang 2.692 Delta-Fälle in Österreich registriert.

Die 7-Tages-Inzidenz liegt derzeit bei 26,8. Im Frühjahr gab es ab einem Wert von 400 verpflichtende Ausreisetests in der jeweiligen Region. Ende Mai ist der Wert österreichweit erstmals unter 50 gefallen. Die niedrigen Zahlen und die Tatsache, dass weniger Menschen im Spital behandelt werden mussten, haben die Eröffnungsschritte ermöglicht.

Experte schlägt getrennte Werte für Geimpfte und Ungeimpfte vor

Nun stellt sich aber immer wieder die Frage, wie sinnvoll die Angaben der 7-Tages-Inzidenz sind. Denn: Derzeit steigen zwar die Infektionszahlen, in den Spitälern ist die Lage aber weiterhin entspannt. Dadurch könnte man auch höhere Zahlen bewältigen, heißt es von Experten. Derzeit befinden sich 107 Personen aufgrund des Coronavirus in krankenhäuslicher Behandlung. Davon werden 31 auf Intensivstationen betreut.

Die Zahl der Spitalsbehandlungen solle in Zukunft stärker berücksichtigt werden. Die Belegung der Intensivbetten war in Österreich bei diversen Lockdowns immer ein wichtiges Argument. Epidemiologe Gerald Gartlehner schlug etwa in der "Presse" vor, eine 7-Tages-Indzidenz für Geimpfte und eine für Nicht-Geimpfte zu erstellen. So könne man die Unterschiede deutlicher erkennen.

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"Prinzipiell sind wir mit der 7-Tages-Inzidenz gut gefahren und werden das auch weiterhin tun. Die 7-Tages-Inzidenz ist wie eine Art Tachometer, wir müssen wissen, wo wir liegen und wie aktiv das Virus ist. Dazu muss man aber sagen, wir haben nie nur auf diesen Wert geschaut, sondern auch auf das Systemrisiko, also die Auslastung in den Spitälern berücksichtigt", erklärt Katharina Reich, Chief Medical Officer im Gesundheitsministerium, im "Ö1-Mittagsjournal".

"Impfung muss zum Menschen kommen"

Von Gartlehners Vorschlag hält die Ärztin nichts: "Die oberste Maxime muss sein, dass wir einfach bleiben. Wenn wir Bevölkerungsgruppen trennen in ungeimpft und geimpft wird es schwieriger die Maßnahmen zu verstehen. Das vereinfacht es nicht und hilft uns nicht."

In Salzburg ist die Inzidenz derzeit am höchsten. Sie liegt bei 61,4 und somit deutlich über 50. Nachdem ein Corona-Infizierter eine Bar besucht hatte, kam es zu 52 Ansteckungen. "Das ist eine Situation wo wir genau schauen müssen, was sich in den Bundesländern tut. Wir wollen vermeiden, wieder harte Maßnahmen zu treffen. Wir wissen, dass wir die Nachtgastronomie schützen müssen und alles dafür tun, damit das offen bleibt, was wir offen haben", so Reich.

Man sei mit dem Land Salzburg in gutem Austausch. Was das Impfungen betrifft, meint die Expertin, dass es attraktive, niederschwellige Angebote geben muss. "Die Impfung muss zum Menschen kommen und einfach sein."

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