Streiks gegen Tesla

Wie Tech-Guru Elon Musk in Europa auf Granit beißt

Elon Musk will eine Welt ohne Gewerkschaften und staatliche Vorgaben. Europa hat andere Vorstellungen. Nun beschäftigt der Kultur-Clash die Gerichte.

Wie Tech-Guru Elon Musk in Europa auf Granit beißt
Elon Musk ist bekannt für seine kapitalistischen Ansichten, staatliche Vorgaben hasst er.
REUTERS

Tesla-Chef Elon Musk ist bekannt für seine kompromisslosen Praktiken: Er lehnt Regulierungen und staatliche Vorgaben strikt ab und bezeichnet sich selbst als Redefreiheits-Absolutist. Etwa als er Twitter übernahm, drohte er seinen Mitarbeitenden gleich zu Beginn mit Kündigungen – wer nicht äußerst hart arbeite, fliege raus. Arbeitnehmerschutz und Arbeiterorganisation sind für den 52-Jährigen offenkundig ein Dorn im Auge.

Das Problem: Musks Vorstellungen stehen im krassen Gegensatz zur Wirtschaft in Europa, wo Gewerkschaften eine große Rolle spielen – besonders in Skandinavien. Dieser Gegensatz fliegt dem Milliardär nun in Skandinavien um die Ohren.

Tesla hat sich nämlich mit seinen Mitarbeitenden in Schweden und Dänemark verkracht, die gegen den E-Autobauer streiken. Gefordert wird ein Tarifvertrag, um die Bedingungen der Arbeiter kollektiv zu regeln – und natürlich zu verbessern.

Eskalation rund um Nummernschilder

Tesla hatte Ende November eine Klage gegen das nordische Logistik-Konglomerat "Postnord" eingereicht. Der Grund: Das Unternehmen, das zu 60 Prozent dem schwedischen und zu 40 Prozent dem dänischen Staat gehört, weigert sich, dem Autokonzern Nummernschilder auszustellen.

Hintergrund ist ein seit Ende Oktober andauernder Streik in den schwedischen Tesla-Werkstätten. Seitdem haben sich weitere Berufsgruppen dem Streik angeschlossen, unter anderem Spediteure, Hafenarbeiter und Postboten.

    Da war das Glück noch perfekt: Stefan und sein Traumwagen, ein Tesla Model Y Performance.
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    Leserreporter

    "Amerikanische Art, Geschäfte zu machen"

    Der diese Woche ausgerufene Solidaritätsstreik der dänischen Gewerkschaft "3F" trifft nun auch vor allem den internationalen Transport: "Hafenarbeiter und Spediteure werden keine Tesla-Autos mehr entladen oder nach Schweden transportieren", kündigte 3F laut der Agentur AFP an. Auch die reichsten Unternehmen der Welt könnten nicht einfach ihre eigenen Regeln durchsetzen, sagt der 3F-Vorsitzende Jan Villadsen.

    Marie Nilsson von der schwedischen Gewerkschaft IF Metall sprach im selben Zusammenhang von einem "Konflikt zwischen der europäischen Kultur und der amerikanischen Art, Geschäfte zu machen". Praktisch täglich kündigen weitere Gewerkschaften, deren Arbeiter mit der Wertschöpfungskette von Tesla in Verbindung stehen, Solidaritätsstreiks an. Erst am Donnerstag folgten weitere Organisationen in Finnland.

    Musk klagt munter weiter

    IF Metall rief Ende Oktober zunächst rund 130 Beschäftigte in zehn Tesla-Werkstätten zum Arbeitskampf auf. Im November folgten 470 Beschäftigte in Werkstätten, die Autos unterschiedlicher Hersteller reparieren, sowie die Beschäftigten in vier Häfen, die das Verladen von Tesla-Fahrzeugen blockieren. Mittlerweile haben knapp ein Dutzend Gewerkschaften aus Solidarität mit der IF Metall eigene Maßnahmen angekündigt.

    Tesla-Chef Elon Musk lehnt Forderungen nach einer gewerkschaftlichen Organisation ab. Mittlerweile hat Tesla auch eine Klage gegen die schwedische Transportbehörde eingereicht. Das Amtsgericht in Norrköping entschied am Montag, dass die Behörde die Nummernschilder herausgeben müsse. Bis zum endgültigen Entscheid könne es aber noch mehrere Wochen dauern, schreibt die schwedische Agentur TT.

    red, 20 Minuten
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