Scheinfirmen boomen weiter – vor allem in Wien. Im Vorjahr wurden hier 341 Scheinunternehmen rechtskräftig verurteilt, österreichweit waren es 411. Der Schaden für die öffentliche Hand ist enorm: Rund 500 Millionen Euro sind laut Finanzministerium durch Scheinunternehmen entgangen – mehr als die Hälfte davon alleine bei den Sozialversicherungen.
"Klassische Scheinunternehmen sind im personalintensiven Bereich angesiedelt, da zahlt es sich aus: Bau, Baunebengewerbe, Reinigungsbereich, Security- und Transportbereich", erklärt Christian Ackerler, Vorstand des Amts für Betrugsbekämpfung. Dass gerade Wien so stark betroffen ist, sei kein Zufall: "Wien ist der Hotspot, weil der Markt und der Wirtschaftsfaktor im Umkreis entsprechend groß sind."
Im Vergleich zu 2024 hat sich die Zahl der Verurteilungen österreichweit verdoppelt. Der Grund: Mehr Hinweise, gezielte Kontrollen und eine schärfere gesetzliche Definition. Wird eine Firma als Scheinunternehmen enttarnt, verliert sie ihre UID-Nummer – der wirtschaftliche Stecker wird gezogen. Doch oft tauchen Nachfolgefirmen rasch wieder auf.
Die Arbeiterkammer begrüßt den Kurs der Regierung, fordert aber schärfere Sanktionen: "Wer arbeitet, muss sich darauf verlassen können, dass er korrekt bezahlt und angemeldet wird", so die AK in einer Aussendung. Ines Stilling, Sozialbereichsleiterin der AK, meint: "Wer Menschen um ihr Einkommen bringt, schädigt redliche Unternehmen und alle Steuerzahler:innen."
Laut AK-Studie ist Unterentlohnung oft sogar dann noch profitabel, wenn die Firmen erwischt werden – weil die Strafen niedriger sind als das eingesparte Geld.