Eine Tonne "Gras" in Halle

Wiener Drogen-Bosse führten Cannabis-Fabrik wie Firma

Drei Verdächtige sollen in Wien-Liesing eine professionelle Cannabis-Produktion aufgebaut haben. "Heute" weiß, wie der Laden lief.
Claus Kramsl
15.06.2026, 16:19
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Sie hatten Geschäftsführer, Produktionsleiter, Verkäufer und sogar eigene Mitarbeiter: Was die Wiener Kripo bei der "Operation Psycho" in Wien-Liesing aufdeckte, erinnert eher an einen mittelständischen Betrieb als an eine Drogenbande.

Im Zentrum der Ermittlungen stehen drei österreichische Tatverdächtige im Alter von 42, 46 und 55 Jahren. Ihnen wird vorgeworfen, die Produktion, Lagerung, Personalrekrutierung, Distribution und den Verkauf von Cannabis hochprofessionell organisiert zu haben – "Heute" berichtete.

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Die Männer sollen eine bestehende CBD-Anlage in Wien-Liesing übernommen und daraus eine illegale Cannabis-Fabrik gemacht haben. Auf einem rund 3.200 Quadratmeter großen Areal wurden laut Ermittlern Tausende Pflanzen gezüchtet und tonnenweise Ware produziert.

Produktionsleiter war der "Psychonaut"

Besonders auffällig: Die Verdächtigen sollen ihre Organisation wie ein Unternehmen geführt haben. Der 46-Jährige galt laut Polizei als Produktionsleiter und soll aufgrund seines extrem kontrollierenden Verhaltens unter dem Spitznamen "Psychonaut" bekannt gewesen sein.  Die Polizeiaktion gegen die "Gras"-Firma wurde schließlich auch "Operation Psycho" genannt.

Dealer mussten an "Firma" Strafe zahlen

Der Mann soll 20 Handys besessen, Wohnungen unter falschem Namen angemietet und täglich bis zu zwölf Stunden gearbeitet haben. Selbst bei den Drogengeldern soll er strenge Regeln aufgestellt haben: Überbrachten sogenannte "Läufer" zu viele kleine Geldscheine, mussten sie laut den Ermittlern sogar eine Pönale bezahlen.

Für die Arbeit in der Produktionshalle beschäftigten die mutmaßlichen Drahtzieher laut Polizei mindestens neun Männer aus Serbien und Bosnien. Die "Gärtner" hielten sich illegal in Österreich auf und sollen teilweise direkt in der Halle gewohnt haben. Dort gab es Schlafplätze, Küche und Aufenthaltsräume.

Fetter Fang für die Polizei

Der Zugriff erfolgte bereits im September 2025. Bei der Razzia stellten Ermittler rund eine Tonne Cannabiskraut, 1,4 Millionen Euro Bargeld, Gold, Wertgegenstände, gefälschte Ausweise und eine Glock-Pistole sicher. Allein der Straßenverkaufswert der Drogen wird auf bis zu 5 Millionen Euro geschätzt. Der THC-Gehalt der "Produkte" war laut Polizei mit 20 Prozent extrem hoch!

Für Aufsehen sorgte auch die Vorgeschichte der Verdächtigen. Die Kripo hatte die Männer bereits seit 2019 im Visier. Damals sollen sie versucht haben, einen Tunnel zu einem Stromverteiler zu graben. Als der Gehsteig über dem Tunnel einbrach, wurden die Ermittler erstmals auf die Gruppe aufmerksam.

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