Die Wiener Festwochen feiern heuer ihr 75. Jubiläum und erklären sich dabei selbst zur "Republic of Gods". Unter dem Motto "It’s Time for New Gods" ruft die Freie Republik Wien einen "Heiligen Frühling" aus – eine mythische Feier zwischen Gotteskritik, Sehnsucht und radikaler Kunst.
Von 15. Mai bis 21. Juni wird die Hauptstadt dann wieder zur großen Bühne – mit 35 Produktionen quer durch alle Bezirke. Thematisch dreht sich diesmal alles um alte und neue Glaubenssysteme – von der Ilias bis zur Nibelungensage. In einem "Glaubenstribunal" werden am 29., 30. und 31. Mai heikle Fragen gestellt, dabei steht diesmal vor allem der Iran im Mittelpunkt: Wo verbünden sich Kirche und Staat? Wann wird Religion zur Gefahr?
Regisseurin Susanne Kennedy unterzieht Wagners "Parsifal" am 15. Juni eine spirituelle Neuinterpretation im MuseumsQuartier. Inspiriert wurde sie dabei vom 2010 verstorbenen Theatermacher und Provokateur Christoph Schlingensief, dem auch eine Einzelausstellung im Wiener MAK gewidmet wird. "Er ist sehr tief in existenzielle Fragen reingegangen", sagt sie.
Weitere Highlights der Festwochen: Performancekünstlerin Florentina Holzinger inszeniert ein blutiges Pfingstspiel und Romeo Castellucci hinterfragt das Gott-Spielen über den Tod. "Godmother of Punk" wird gleich bei drei Events Patti Smith auftreten. "Wir haben heuer einen Musikschwerpunkt", betont Rau. Robert Wilson wird posthum mit einer seiner letzten Inszenierungen "The Tempest in die Republic of Gods" gezeigt. Und Inna Shevchenko der ukrainischen Aktivismus-Gruppe FEMEN hält eine feministische Performance-Predigt.
Im Zentrum steht auch der Mythos der Festwochen selbst. Fünfeinhalb Wochen lang blickt man zurück. Die Jubiläumsproduktion "Das beste Stück aller Zeiten" des Festwochen-Intendanten Milo Rau bringt ab 15. Mai unvergessliche Momente aus 75 Jahren Festwochen zurück – inklusive Skandalen, Liebe, Tod und Revolte.
"Inzwischen gibt es die Erkenntnis, dass Skandal nichts Neues bei diesem Festival ist", so der Schweizer. "Unser Motto: Skandal und Schönheit, zwei Schwestern, die bei der Geburt getrennt wurden."