Wüste, Hitze, Trockenheit – und trotzdem jede Menge Leben. Forscher der Universität Wien blicken derzeit auf ein oft übersehenes Naturwunder: sogenannte Bodenkrusten in den Wüsten Israels und Spaniens.
Diese unscheinbaren Schichten an der Oberfläche sind wahre Überlebenskünstler. Trotz extremer Temperaturen und starker Sonneneinstrahlung tummeln sich dort Milliarden Mikroorganismen: "Bodenkrusten sind so etwas wie die lebende Haut der Wüste. An dieser Bodenoberfläche lebt ein vielfältiges Mikrobiom, das als Überlebenskünstler mit extremer Hitze und Sonnenstrahlung umgehen kann", erklärt Prof. Dagmar Wöbken.
Untersucht werden die Bodenkrusten in der Negev-Wüste in Israel und in der Tabernas-Wüste im Südosten Spaniens. Die Forschungsarbeiten sind Teil des Exzellenzclusters "Microbiomes Drive Planetary Health", in dem acht österreichische Forschungseinrichtungen gemeinsam an der Zukunft unseres Planeten arbeiten.
Besonders faszinierend: Nach monatelanger Trockenheit genügt oft ein einziger Regenschauer, um die scheinbar tote Oberfläche schlagartig zu aktivieren. Dann speichern die Mikroorganismen Nährstoffe, verbessern die Bodenqualität und schützen den Untergrund vor Erosion.
„Durch den Klimawandel wird es auch bei uns trockener und unsere Böden werden sich verändern“Prof. Dagmar WöbkenWüsten-Forscherin
Die Erkenntnisse könnten auch für Österreich zunehmend wichtig werden. Denn die Forscher beobachten Entwicklungen, die mit dem Klimawandel immer relevanter werden: "Fast die Hälfte der Landmasse auf der Welt sind Wüsten und Trockengebiete, ein beachtlicher Teil davon wird von Bodenkrusten bewohnt. Durch den Klimawandel wird es auch bei uns trockener und unsere Böden werden sich verändern", so Wöbken.
Die Forschung soll helfen zu verstehen, wie Böden auch unter extremen Bedingungen gesund und widerstandsfähig bleiben können.
Am 22. Juni feiert der Forschungscluster den Österreichischen Mikrobiom-Tag. Der World Microbiome Day findet dann kommenden Samstag statt.