"Rettet den 4020"

Fans kämpfen gegen Verschrottung von legendärem ÖBB-Zug

Die neue "Initiative Bahnkultur" will den 4020, den wohl legendärsten Nahverkehrszug Österreichs, vor dem Schrottplatz retten. Dafür braucht es Geld.
Leo Stempfl
21.06.2026, 13:06
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Die blau-weißen Züge sind absolut legendär und prägten jahrzehntelang den Bahnverkehr in Wien und darüber hinaus. Nun hat die Baureihe 4020 ihr Lebensende erreicht. Im Juli stehen sie vor ihrem endgültigen Aus, werden gerade schrittweise ausgemustert und verschrottet. Von über 100 Garnituren sind aktuell nur noch gute zwei Dutzend unterwegs.

Den Anforderungen des modernen Bahnverkehrs werden die Nahverkehrstriebzüge (Ersteinsatz 1978) einfach nicht mehr gerecht: Keine Barrierefreiheit, keine Klimaanlage, Ersatzteile für die 50 Jahre alten Wagen werden immer schwerer zu bekommen und teurer.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Am 4. Juli fällt der Startschuss für die Modernisierung der Wiener S-Bahn-Stammstrecke mitsamt Umstellung auf das digitale Zugsicherungssystem. Dann endet auch der planmäßige Einsatz der Baureihe 4020 ein für alle Mal.

Junge Wiener wollen Zug retten

Drei junge Studenten aus Wien und Salzburg wollen genau das verhindern. Philip, Firmian und Johannes haben sich zur "Initiative Bahnkultur" zusammengeschlossen. Ihr Ziel ist der Kauf, Restaurierung und Erhalt eines 4020ers als besonderes Zeugnis österreichischer Bahnkulturgeschichte. Mit einem Crowdfunding wollen sie eine Garnitur vor der geplanten Verschrottung retten und für die Nachwelt bewahren.

"Am Weg zur Arbeit, in die Schule und nach Hause, oder ins Umland und in die Natur: Die 120 Garnituren des Triebwagen 4020 sind seit fast 50 Jahren Teil der Wiener Identität und darüber hinaus. Von ganz weit Österreich brachten die Triebwägen Menschen bis nach Deutschland, Italien und die Slowakei", erklären sie ihre Motivation dahinter.

"Die pfeilschnellen blauen Züge machten die Schnellbahn im Großraum Wien zu der Lebensader, die sie heute ist. Mit der Abstellung des 4020 verliert Wien einen Teil des Stadtbilds und Österreich einen Teil der Bahnkultur, der droht, für immer verloren zu gehen."

Stufenplan für Spendenkampagne

Das Crowdfunding ist seit diesem Wochenende geöffnet und fundiert auf einem vielteiligen Stufenplan. Erster Punkt ist dabei natürlich der Kauf einer Garnitur. Bei konservativer Schätzung werden dafür 20.000 Euro benötigt. Nächster Schritt ist dann die Finanzierung eines zweiten Triebkopfs und einer zweiten Garnitur. Das ist für die technische Aufarbeitung und für Ersatzteile notwendig, außerdem werden dadurch die langfristige Fahrbereitschaft und flexible Nutzungen ermöglicht. Dafür bräuchte es weitere 20.000 Euro.

Mit dem Kauf alleine ist es leider nicht getan. Um das Fahrzeug vor Witterung, Vandalismus etc. zu schützen, ist eine geschützte Hinterstellung etwa in einer Halle nötig. Möglich wird das für die Dauer von zehn Jahren ab einem erreichten Spendenziel von 200.000 Euro, heißt es auf bahnkultur.at.

400.000 Euro als großes Ziel

Um einen Triebwagen der Reihe 4020 im Charter- und Sonderzugverkehr über mehrere Jahre einsetzen zu können, sind technische Revisionen und die Aufarbeitung von Fahrzeugkomponenten notwendig, die weitere 100.000 Euro kosten würden.

Die letzte Stufe des Crowdfundings liegt bei 400.000 Euro: Damit wäre eine konservierende Neulackierung möglich, die wichtig ist, um den 4020 als rollendes Wiener Kulturgut und bahntechnisches Denkmal langfristig zu erhalten. "Eine Annäherung an den Auslieferungszustand würde den Schnellbahntriebwagen vom Nutzfahrzeug zum begehrten Youngtimer machen."

Der Vergleich macht sicher

In einigen Nachbarländern hat sich gezeigt, dass vergleichbare Projekte zum großen Erfolg werden können. Auf ähnliche Weise konnte durch jahrelangen Einsatz die DDR-Legende SVT Görlitz (auch bekannt als Vindobona) wieder fit für die Schiene gemacht werden.

In der Schweiz wurde mit dem NPZ ein vergleichsweise junges Nahverkehrsfahrzeug der Südostbahn zunächst vor der Verschrottung gerettet. Der Ansatz sei aber für den 4020 besonders relevant: Auch Fahrzeuge aus den vergangenen Jahrzehnten sind bereits Teil der Eisenbahngeschichte, wenn ihre Einsatzzeit eine Region sichtbar geprägt hat, so die Initiative Bahnkultur.

4020 also bald wieder unterwegs?

Ob der 4020er also auch in Zukunft noch gelegentlich auf Schiene unterwegs sein wird, hängt alleinig davon ab, wie viele Spenden gesammelt werden, ob und in welchem Umfang ein Fahrzeug gerettet, technisch aufgearbeitet, optisch aufbereitet oder sogar betriebsfähig erhalten werden kann.

Die Spenden fließen übrigens ausschließlich in die Umsetzung der Ziele des Stufenplans. Sollte ein Ziel bereits mit einem geringeren Betrag erreicht werden, werden die verbleibenden Mittel für das nächste Ziel verwendet. Scheitert das Crowdfunding, werden sämtliche Gelder zurücküberwiesen.

Gelingt eine Aufarbeitung aufgrund finanzieller oder technisch unüberwindbarer Hürden nicht, wäre es das Ziel, ein Fahrzeug zumindest als Museumsstück der Nachwelt zu erhalten.

{title && {title} } leo, {title && {title} } Akt. 21.06.2026, 13:24, 21.06.2026, 13:06
Weitere Storys
Jetzt E-Paper lesen