Wer in Wien studierte, aber seinen Hauptwohnsitz nicht in der Bundeshauptstadt hatte, musste für das gleiche Semesterticket deutlich tiefer in die Tasche greifen. Während Wiener Studenten jahrelang nur 75 Euro zahlten, wurden für ihre Studienkollegen, die vielleicht auch in Wien wohnten, aber noch daheim in den Bundesländern gemeldet waren, 150 Euro fällig.
Diese Praxis wurde im Winter 2022 abgedreht, beschäftigt aber weiter die Gerichte. Die Prozessfinanzierungsplattform "Ticketerstattung.at" vertritt nach eigenen Angaben mittlerweile 17.140 Betroffene. Insgesamt geht es dabei um knapp 50.000 Semestertickets.
Für die Wiener Linien wird der Streit zunehmend teuer. Laut der Plattform wurden bereits mehrere Musterverfahren zugunsten der Studenten entschieden. Zudem konnte eine erste Sammelklage abgeschlossen werden. Dabei mussten die Wiener Linien für rund 2.000 Tickets insgesamt 150.000 Euro plus Zinsen bezahlen. Die betroffenen ehemaligen Studenten haben ihr Geld bereits erhalten.
Doch damit nicht genug: Nach Angaben von "Ticketerstattung.at" wurden inzwischen auch bei weiteren Verfahren Rückzahlungen geleistet. Die Wiener Linien bestätigen, dass mittlerweile die Preisdifferenz für rund 34.000 Tickets beglichen wurde. Insgesamt sollen bereits rund 2,5 Millionen Euro geflossen sein – zusätzlich zu den bereits ausbezahlten 150.000 Euro.
Ganz abgeschlossen ist die Causa aber noch nicht. Zehn Sammelverfahren laufen weiterhin. Streit gibt es unter anderem um Zinsen, Verfahrenskosten und rund 4.000 Tickets. Die Plattform wirft den Wiener Linien vor, die Verfahren damit unnötig in die Länge zu ziehen. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück und verweist auf die laufenden Verfahren.
Besonders ärgerlich für viele Betroffene: Das bereits bezahlte Geld liegt derzeit noch bei der Plattform. Auszahlungen sollen erst erfolgen, wenn die Wiener Linien die gesamte Summe überwiesen haben. Von den Rückzahlungen gehen außerdem nur 73 Prozent an die ehemaligen Studenten. 27 Prozent behält die Plattform als Erfolgshonorar ein.
Sollten die Kläger auch in den offenen Verfahren Recht bekommen, könnte die Rechnung für die Wiener Linien am Ende auf rund fünf Millionen Euro anwachsen.