In der sonst so stillen Welt des Klavierbaus erklingt ein lauter Triumph: Isabella Hahn, langjährige Klavierbauerin im traditionsreichen Klavierhaus Förstl in Wien, hat ihre Meisterprüfung mit Bravour bestanden. Damit ist sie die einzige weibliche Klavierbaumeisterin Österreichs – ein Meilenstein in einem Handwerk, das nur wenige Meister zählt.
"Mit drei Jahren saß ich zum ersten Mal an einer Klaviatur – damals reichten meine Finger kaum über die Tasten. Seitdem begleitet mich das Klavier. Es war nie einfach nur ein Instrument, sondern ein Spiegel meines Lebens", erzählt Hahn.
Eigentlich hätte alles ganz anders kommen können: Nach der Matura war keine Lehrstelle in Sicht, also studierte Hahn Theater-, Film- und Medienwissenschaft. "Das war eine Entscheidung aus Vernunft, nicht aus Leidenschaft", sagt die 38-Jährige heute. Doch das Schicksal hatte andere Pläne. 2017 wagte sie den Neuanfang, kündigte ihren Job in einer Werbeagentur und begann ihre Lehre beim renommierten Klavierbaumeister Georg A. Watzek, spezialisiert auf historische Hammerflügel. Dort lernte sie das Handwerk von Grund auf.
"Wir bauten während meiner Lehrzeit zwei Flügel vollständig von Hand. Jeder Hammerstiel, jeder Hammerkopf – alles wurde selbst gefertigt. Nur das Saitenmaterial kam von außen", erinnert sie sich. Nach zweieinhalb intensiven Jahren zog es Hahn weiter – auf ihre eigene "Walz". Sie arbeitete in unterschiedlichen Betrieben, lernte neue Techniken kennen und suchte den modernen Zugang zum Klavierbau.
Eines Tages, erzählt Hahn, sei sie "einfach so, im Sommer 2023, beim Klavierhaus Förstl hineinspaziert". Heute leitet sie dort das Technikerteam – und das mit ebenso vielen Frauen wie Männern. Unter ihrer Führung soll das Traditionshaus bald zum zertifizierten Meisterbetrieb werden.
Ihr Meisterstück war ein Mammutprojekt: die vollständige Restaurierung eines 240 Jahre alten Hammerflügels. "Ich habe es mir nicht leicht gemacht – go big or go home!", sagt sie schmunzelnd.
Weil es hierzulande keine zeitgemäße Prüfungsordnung für den Meistertitel gibt, absolvierte Hahn ihre Prüfung im deutschen Ludwigsburg. Dort erlebte sie etwas, das sie in Österreich oft vermisst: "Den offenen Austausch unter Kolleg:innen. In Deutschland wird Wissen geteilt – bei uns wird es leider oft gehütet wie ein Geheimnis."
War der Karriereweg als Frau schwieriger? "Ich kann das nicht objektiv beurteilen – ich kenne ja nur meinen eigenen Weg. Aber gewisse Kommentare wie 'Ich will einen Mann haben, der mein Klavier stimmt' wären einem Kollegen wohl erspart geblieben", meint die Wienerin.
Dass sie nun die einzige weibliche Klavierbaumeisterin des Landes ist, erfüllt sie nicht bloß mit Stolz, sondern auch mit Nachdenklichkeit: "Ich hoffe, dass ich durch meine Arbeit, vor allem durch meine Workshops mit Kindern, ein paar Funken säen kann – bei Mädchen wie bei Buben. Vielleicht entstehen daraus irgendwann neue Meisterinnen."