Schon seit der Antike wird dem Spargel eine aphrodisierende Wirkung nachgesagt. Es ist aber nicht das einzige Gemüse, dessen Form die (sexuelle) Fantasie anregt. Die bildende Künstlerin Bernadette Anzengruber (45) hat sich historischer Pflanzen-Darstellungen und Illustrationen angenommen und stellt nach deren Vorlage Pleasure-Objects aus Porzellan her.
Die Wienerin wollte damit Kunstobjekte schaffen, "die man auch anfassen kann. Das hat mich immer schon gestört, dass das so gut wie nie möglich ist. Ich habe überlegt, wie ich das machen kann." Im Zuge ihrer Recherche zu den Themen feministische Frauengesundheit und Sexualität stieß sie auf die Biodiversity Heritage Library (BHL).
„Ich habe mich am Sextoys-Markt umgesehen und war sehr unzufrieden“Bernadette AnzengruberKünstlerin
Die BHL ist das weltweit größte frei zugängliche digitale Archiv für Biodiversitäts-Forschung. Der Fokus liegt auch auf (historischen) Frauen in der Forschung: "Ich fand diese Illustrationen wahnsinnig schön und wollte diese Frauen sichtbarer machen. Zeitgleich wollte ich auch Sextoys entwickeln, die nicht der herkömmlichen Ästhetik entsprechen. Ich habe mich am Markt umgesehen und war sehr unzufrieden – vor allem mit dem Design", meint die 45-Jährige.
Doch die Illustrationen in der BHL gaben schließlich den Anstoß: Anzengruber erschafft aus Porzellan in Handarbeit etwa den "Greater Spurge" (Kreuzblättrige Wolfsmilch), den Pholiota mycenoides (Schüpplinge, eine Pilzgattung) oder die Japonische Krafft-Wurzel – jedes Objekt ist ein Einzelstück. 40 bis 50 Sextoys hat die Künstlerin seit 2024 bereits hergestellt.
"Die Formen können natürlich sexuell interpretiert werden. Es geht aber nicht eindeutig hervor, wie die Objekte zu verwenden sind – je nach Situation und Vorstellung der Personen kann dies unterschiedlich sein. Sie können caring und kinky sein – für alle Geschlechter und sexuelle Orientierungen. Eine möglichst große Offenheit ist mir wichtig", erklärt Anzengruber.
Auch beim Material überlegte die Wienerin lange: "Es gibt nur sehr wenige Materialien, die sicher sind und die man selbst herstellen kann. Porzellan ist besonders hygienisch und sicher. Dicht gebrannt nimmt es keine Flüssigkeit auf, und die porenfreie Oberfläche gibt Bakterien keine Möglichkeit, sich festzusetzen. Hartporzellan ist außerdem sehr stabil, bruchfest und pflegeleicht."
Zu sehen und zu erwerben sind die Objekte bei Ausstellungen oder über die Homepage der Künstlerin. Schmuckanhänger sind ab 60 Euro, die größeren (Lust-)Objekte ab 240 Euro erhältlich.