"Glaubwürdig für mich"

Wienerin (22) verliert nach Schock-Anruf gesamtes Erbe

Ein falscher Bankberater brachte eine Wienerin (22) um 9.800 Euro. Der Betrüger kannte sogar ihre Kontobewegungen und ihre Bankfiliale.
André Wilding
25.08.2026, 07:28
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Der Anrufer wusste erstaunlich viel über sein Opfer: Er kannte ihre Bankfiliale und sogar Kontobewegungen wie Einkäufe im Supermarkt. Für die 22-jährige Studentin Lena H. aus Wien klang deshalb zunächst alles glaubwürdig. Am Ende des Telefonats waren 9.800 Euro aus einer Erbschaft weg – darüber berichtet die "Kronen Zeitung".

Am 13. August meldete sich ein vermeintlicher Mitarbeiter ihrer Bank bei der Wienerin. Ein Unbekannter habe größere Beträge von ihrem Konto abgebucht, behauptete der Mann.

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Echte Banking-App machte Betrug glaubwürdig

"Der Anruf erschien glaubwürdig für mich", erzählt Lena der "Krone". Während des Gesprächs tauchten auf ihrem für das Online-Banking registrierten Handy fünf bis sechs Signaturanfragen auf. Solche Abfragen kannte die Studentin bereits von früheren Überweisungen.

Tatsächlich saß am anderen Ende der Leitung aber ein Betrüger. Sein Ziel war es, die 22-Jährige dazu zu bringen, 9.800 Euro zu überweisen.

Der Mann behauptete, die angeblich unrechtmäßigen Zahlungen noch stornieren zu können. Dafür bleibe allerdings nur wenig Zeit. Weil die Bankfiliale bereits geschlossen war, sollte Lena die vermeintliche Stornierung an einem Überweisungsautomaten erledigen, heißt es im Bericht der Tageszeitung.

Bankmitarbeiterin griff ein

Um die Geschichte noch glaubwürdiger wirken zu lassen, gab der Anrufer sogar vor, für den nächsten Tag einen Termin mit ihrem Bankberater auszumachen.

Als die Studentin bereits am Automaten ihrer Bank stand, kam eine Mitarbeiterin aus der geschlossenen Filiale. Lena erzählte ihr von dem laufenden Telefonat. Die Mitarbeiterin forderte sie sofort auf, das Gespräch zu beenden, schreibt die "Krone".

Doch zu diesem Zeitpunkt war die Überweisung bereits erfolgt. Lena hofft noch, ihr Geld zurückzubekommen. Die Chancen darauf werden allerdings als äußerst gering eingeschätzt. Nun möchte die 22-Jährige andere vor der Masche warnen.

"Er beginnt oft schon mit dem Phishing!"

Wie die Betrüger an derart detaillierte Informationen gelangen, erklärt Reinhard Nosofsky, Leiter der Abteilung für Betrug und Wirtschaftskriminalität im Bundeskriminalamt. Der Angriff beginne häufig lange vor dem eigentlichen Anruf. "Er beginnt oft schon mit dem Phishing!", erklärt Nosofsky in der "Krone".

Dabei sammeln die Täter zunächst Informationen und bauen anschließend gezielt Vertrauen auf. Schließlich bringen sie ihre Opfer dazu, Sicherheitsmaßnahmen selbst zu bestätigen.

"Nicht die Technik allein wird manipuliert - sondern der Mensch", warnt Nosofsky im Gespräch mit der Tageszeitung.

Auch die Signaturanfragen in der echten Banking-App können Teil der Täuschung sein. Nach Einschätzung des Experten könnte der Täter bereits über Zugangsdaten verfügt und damit einen Login oder eine Transaktion ausgelöst haben. Die tatsächliche Bank-App schickt daraufhin die Sicherheitsabfrage an das Handy des Kunden, berichtet die "Krone".

Experte warnt vor Zeitdruck

Cyberexperte Cornelius Granig warnt in der Tageszeitung besonders vor Überweisungen, die während eines Telefonats unter Zeitdruck verlangt werden: "Niemals sollte man unter telefonischem Zeitdruck eine Überweisung oder eine Signaturanfrage in der Banking-App bestätigen!"

Bei Echtzeitüberweisungen kann das Geld zudem unmittelbar vom Empfängerkonto weitergeschickt werden. Dadurch wird es für Ermittler und Banken besonders schwierig, den Betrag zurückzuholen.

Granig stellt in der "Kronen Zeitung" klar: "Ein echter Bankmitarbeiter würde niemals einen Kunden dazu auffordern, Geld auf ein fremdes Konto zu überweisen, um eine angebliche Buchung zu stornieren!"

Wie der Täter an die aktuellen Kontobewegungen und Informationen über die konkrete Bankfiliale der Studentin gelangte, ist offen. Granig hält eine frühere Phishing-Attacke für denkbar.

Wer einen verdächtigen Anruf erhält, sollte auflegen und seine Bank selbst über eine bekannte Nummer oder die Banking-App kontaktieren. Denn selbst eine echte Nachricht in der Banking-App bedeutet nicht, dass auch der Anrufer tatsächlich von der Bank ist.

{title && {title} } wil, {title && {title} } 25.08.2026, 07:28