Touri-Attraktion

"Wir sind versichert!" E-Oldtimer-Chef kontert Kritik

E-Busse werden bei Touristen in der Wiener City immer beliebter – gleichzeitig wächst die Kritik. Ein Betreiber wehrt sich nun gegen die Vorwürfe.
Maxim Zdziarski
18.08.2026, 14:06
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Sie sind klein, elektrisch und fallen mit ihrem nostalgischen Design in der Wiener Innenstadt sofort auf: Die sogenannten E-Oldtimer haben sich längst zu einer Touristenattraktion entwickelt. Doch mit ihrer steigenden Zahl wächst auch die Kritik.

Vor allem die Wiener Fachgruppe der Autobusunternehmen sieht die Entwicklung mit großer Sorge. Weil Fahrzeuge mit einer Bauartgeschwindigkeit von maximal zehn km/h rechtlich zahlreichen Ausnahmen unterliegen, warnte die Branche zuletzt sogar vor "Lebensgefahr".

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Doch wie sieht die Praxis bei den Betreibern aus? "Heute" sprach mit Kurt Gratt, der bereits seit 2017 E-Oldtimer-Panoramafahrten in Wien anbietet. Derzeit sind neun seiner Fahrzeuge unterwegs, ein Zehntes soll demnächst dazukommen.

"So ein Wagerl kostet 30.000 Euro"

Gratt betont, dass er zwar nicht für andere Unternehmen sprechen könne, bei seinem eigenen Fuhrpark aber klare Regeln gelten. Sämtliche Fahrzeuge seien haftpflichtversichert.

"So ein Wagerl kostet 30.000 Euro. Na sicher ist es versichert!", sagt der Wiener im "Heute"-Talk. Zusätzlich habe er eine Insassenversicherung abgeschlossen. Sollte tatsächlich einmal etwas passieren, müsse für ihn sichergestellt sein, dass seine Fahrgäste abgesichert sind.

Auch bei seinen Fahrern geht Gratt nach eigenen Angaben über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus. Obwohl für diese Fahrzeuge theoretisch kein Führerschein notwendig ist, dürfe bei ihm niemand ohne Lenkberechtigung ans Steuer. "Jeder hat einen Führerschein bei mir, ist doch klar. Wenn ich sehen würde, dass jemand besoffen am Steuer sitzt, würde ich selbst die Polizei rufen", stellt der Unternehmer klar.

Bislang keine Verletzten

Ernsthafte Zwischenfälle habe es seit dem Start seines Unternehmens nicht gegeben. "Verkehrsunfälle hat es bis jetzt noch nicht gegeben, Verletzte gab es bis dato noch nie", erzählt Gratt.

Auch bei der Identifizierbarkeit seiner Fahrzeuge habe er freiwillig nachgebessert. Seine E-Oldtimer tragen Nummerntafeln, damit im Fall der Fälle klar festgestellt werden könne, um welches Fahrzeug es sich handelt.

Maximal acht Fahrgäste

Während Kritiker davor warnen, dass mit den Fahrzeugen theoretisch auch größere Gruppen transportiert werden können, setzt Gratt bewusst auf weniger Passagiere. Bei ihm fahren maximal acht Gäste in einem E-Oldtimer mit.

"Wenn eine Gruppe größer ist, empfehle ich immer zusätzlich ein zweites Wagerl mit einem Sonderpreis. Bei mir werden's niemals zehn Leute in einem Wagerl sehen. Ich will Qualität haben", so der Ur-Wiener im "Heute"-Talk. Dabei versteht Gratt sein Angebot ohnehin nicht als klassische Stadtrundfahrt. "Bei uns geht es um Unterhaltung. Wir sind keine Reiseleiter, sondern Entertainer", erklärt er.

Vom Kutschenbauer zum China-Modell

Seinen ersten elektrischen Oldtimer ließ Gratt bei einem Kutschenbauer in Polen anfertigen. Das Fahrzeug sei in aufwendiger Handarbeit entstanden. Mittlerweile befinden sich auch Modelle aus chinesischer Produktion in seinem Fuhrpark.

Technisch seien diese zwar teilweise besser, optisch könnten sie für ihn aber nicht mit den polnischen Fahrzeugen mithalten. "Ich bin ein Ästhet, das muss alles so sein, wie es mir gefällt", schmunzelt der Unternehmer.

Die Diskussion über strengere gesetzliche Regeln dürfte damit allerdings nicht beendet sein. Während die Autobusbranche eine Gesetzeslücke und Sicherheitsrisiken ortet, zeigt Gratt mit seinem Betrieb, dass einzelne Anbieter bereits freiwillig deutlich strengere Standards anwenden.

{title && {title} } zdz, {title && {title} } Akt. 18.08.2026, 16:47, 18.08.2026, 14:06