Sie rechnen schneller, analysieren riesige Datenmengen in Sekunden und können immer komplexere Aufgaben übernehmen. Künstliche Intelligenz und humanoide Roboter verändern die Arbeitswelt und stellen Unternehmen vor eine zentrale Frage: Welche Aufgaben bleiben künftig noch beim Menschen? Mit dieser Frage beschäftigte sich ein Business Breakfast von Advicum Consulting, eMentalist und A.B.S. Factoring in Wien. Experten aus Wirtschaft und Beratung diskutierten, wie Unternehmen mit der Automatisierung umgehen müssen und welche Rolle der Mensch in einer von Technologie geprägten Arbeitswelt einnimmt.
Für Aufmerksamkeit sorgte dabei eine bewusst provokante Aussage von Daniel Knuchel, Equity Partner bei Advicum Consulting. Er sagte: "Der humanoide Roboter wird zukünftig der bessere Mensch sein." Gemeint ist damit nicht, dass Maschinen den Menschen vollständig ersetzen können. In vielen Bereichen sind sie bereits heute überlegen: Sie arbeiten präziser, können große Datenmengen verarbeiten und liefern Ergebnisse in kürzester Zeit. Gleichzeitig fehlt ihnen aber etwas Entscheidendes: eigene Werte, Verantwortung und die Fähigkeit, Entscheidungen im menschlichen Kontext einzuordnen.
Genau darin sehen die Experten die wichtigste Aufgabe des Menschen. Unternehmen müssten nicht nur neue Technologien einführen, sondern auch klären, welche Entscheidungen sie Maschinen überlassen und welche Verantwortung weiterhin beim Menschen bleibt. Andreas Draxler von A.B.S. Factoring bringt es so auf den Punkt: "Transformation entscheidet sich nicht an der Technologie, sondern am Mut zur Verantwortung." Daniel Knuchel ergänzt: "Ausschlaggebend ist, dass wir ins Tun kommen, Dinge ausprobieren und aus den Ergebnissen lernen."
Bei der Diskussion wurde deutlich: Die größte Herausforderung liegt laut den Experten nicht in der Technologie selbst. Vielmehr würden viele Unternehmen Schwierigkeiten haben, ihre Organisationen rechtzeitig auf Veränderungen vorzubereiten. Gerade kleine und mittlere Unternehmen stehen dabei vor besonderen Herausforderungen. Häufig bestimmen langjährige Strukturen und gewachsene Entscheidungswege den Alltag. Dadurch fällt es schwerer, bestehende Prozesse zu hinterfragen und neue Wege auszuprobieren.
Andreas Kornberger, Associate Partner bei Advicum Consulting, warnt: "Unternehmen scheitern nicht an Krisen, sondern daran, dass sie zu spät transformieren." Nach Einschätzung der Berater gibt es mehrere Gründe, warum Veränderungen oft zu spät beginnen. In vielen eigentümergeführten Unternehmen prägen traditionelle Führungsstile und bekannte Abläufe die Organisation. Gleichzeitig fehlt im Tagesgeschäft oft die Zeit, sich intensiv mit langfristigen Entwicklungen auseinanderzusetzen.
Auch erfolgreiche Modelle der Vergangenheit können zum Problem werden. Wenn Strukturen jahrelang funktioniert haben, fällt es vielen Unternehmen schwer, notwendige Anpassungen frühzeitig einzuleiten.
Die Experten sehen die Zukunft nicht allein in mehr Effizienz durch Maschinen. Entscheidend werde vielmehr das Zusammenspiel zwischen Technologie und menschlichen Fähigkeiten. Während künstliche Intelligenz Prozesse beschleunigen und Daten auswerten kann, bleiben Orientierung, Verantwortung und Führung wichtige menschliche Aufgaben. Unternehmen müssten daher nicht nur in neue Systeme investieren, sondern auch ihre Unternehmenskultur weiterentwickeln.
Der Fokus verschiebt sich laut den Teilnehmern zunehmend auf Kundennähe, klare Ziele und die Verbindung von menschlicher Erfahrung mit technischer Unterstützung. Ein zentrales Ergebnis der Gesprächsrunde: Erfolgreiche Veränderung funktioniert nur, wenn mehrere Bereiche gemeinsam betrachtet werden. Technik allein reicht demnach nicht aus. Ebenso wichtig seien Organisation, Menschen und das Umfeld eines Unternehmens.
Auch beim anschließenden Austausch der Teilnehmer zeigte sich laut Veranstaltern ein großes Interesse an den Auswirkungen von KI und Automatisierung. Viele Entscheidungsträger beschäftigen sich mit der Frage, wie sie ihre Unternehmen langfristig wettbewerbsfähig halten können. Thomas W. Albrecht von TWA Mentale Innovation fasst die Herausforderung zusammen: "Der größte Irrglaube ist, dass alles bleibt, wie es ist. Veränderung beginnt dort, wo wir aufhören zu warten und selbst Verantwortung übernehmen."
Die Diskussion in Wien zeigt: Künstliche Intelligenz und humanoide Roboter werden die Arbeitswelt verändern. Ob sie tatsächlich Menschen ersetzen oder vor allem neue Formen der Zusammenarbeit ermöglichen, hängt laut den Experten davon ab, wie Unternehmen mit der Entwicklung umgehen. Technologie gibt dabei das Tempo vor. Die Entscheidungen darüber, wie sie eingesetzt wird, bleiben aber eine menschliche Aufgabe. Für Unternehmen bedeutet das vor allem eines: Nicht abzuwarten, sondern den Wandel aktiv mitzugestalten.