Autos, Züge und sogar Schiffe verändern sich rasant. Immer mehr Funktionen werden nicht mehr allein durch Motoren oder Elektronik bestimmt, sondern durch Software, künstliche Intelligenz und laufende Updates. Auf diese Entwicklung reagiert nun auch Österreich. In Graz entsteht mit "Software-Defined Mobility" (SDM) ein neues Forschungszentrum, das sich genau diesen Herausforderungen widmet. Dahinter steht die Virtual Vehicle Research GmbH, die dafür ein Forschungsvolumen von 24 Millionen Euro für die erste Förderperiode erhält.
Das neue COMET-Zentrum wurde von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) genehmigt und soll am 1. Jänner 2027 seine Arbeit aufnehmen. Insgesamt arbeiten 44 Partner aus Industrie und Wissenschaft an dem Projekt zusammen. Die erste Förderperiode ist auf vier Jahre ausgelegt, eine Verlängerung um weitere vier Jahre ist möglich.
Die Mobilität befindet sich derzeit in einem grundlegenden Wandel. Fahrzeuge entwickeln sich zunehmend zu vernetzten Plattformen, die regelmäßig neue Software erhalten und große Datenmengen verarbeiten. Das betrifft nicht nur Autos, sondern ebenso den Bahnverkehr, die Schifffahrt sowie weitere technische Bereiche wie Medizintechnik oder Energieversorgung.
Das neue Zentrum soll Lösungen entwickeln, damit solche Systeme schneller, sicherer und zuverlässiger entstehen können. Im Mittelpunkt stehen dabei Software, künstliche Intelligenz, digitale Zwillinge und Simulationen. Ziel ist es, diese Technologien nicht nur während der Entwicklung zu prüfen, sondern ihre Sicherheit und Zuverlässigkeit über den gesamten Lebenszyklus hinweg nachweisen zu können.
Bisher wurden Fahrzeuge oder technische Systeme häufig nur zu bestimmten Entwicklungszeitpunkten getestet. Künftig reicht das nach Einschätzung der Forschenden nicht mehr aus. Wenn Software laufend aktualisiert wird oder neue KI-Funktionen erhält, müssen Sicherheit und Leistungsfähigkeit dauerhaft überprüft werden können.
Das neue Forschungszentrum setzt deshalb auf den Ansatz der sogenannten "Virtual Assurance". Dabei sollen Simulationen, digitale Zwillinge, KI-Komponenten und Software-Updates kontinuierlich bewertet werden. So soll nachvollziehbar bleiben, wie sich Änderungen auf ein Fahrzeug oder ein anderes technisches System auswirken.
Virtual-Vehicle-CEO Jost Bernasch sagt: "Das software-definierte Jahrzehnt hat begonnen. Europa muss seine Stärken in Engineering und industrieller Exzellenz mit Software, Daten und KI verbinden, um auch künftig wettbewerbsfähig zu bleiben. Mit COMET SDM schaffen wir dafür ein starkes Forschungszentrum in Graz – gemeinsam mit führenden Partnern aus Industrie und Wissenschaft."
Auch CTO Daniel Watzenig sieht darin einen wichtigen Schritt: "Mit COMET SDM vollziehen wir den entscheidenden Schritt von Virtual Validation hin zu Virtual Assurance. Damit schaffen wir die Grundlage für eine neue Generation sicherer und vertrauenswürdiger KI-gestützter Systeme in der Mobilität."
Die Arbeit des Forschungszentrums gliedert sich in drei große Themenfelder. Im Bereich "Trustworthy Simulation" geht es um vertrauenswürdige Simulationen und digitale Zwillinge. "Autonomous Intelligence" beschäftigt sich mit überprüfbarer künstlicher Intelligenz für autonome Systeme. Im dritten Bereich "Efficient Systems" stehen moderne Software-Architekturen für die Vernetzung von Fahrzeugen, Infrastruktur und Cloud im Mittelpunkt.
Ergänzt werden diese Forschungsarbeiten durch ein sogenanntes Living Innovation Lab. Dort sollen neue Entwicklungen direkt in Demonstratoren und Prototypen umgesetzt werden, um ihre Praxistauglichkeit zu prüfen.
Zum Konsortium gehören rund 60 Forschende sowie zahlreiche Unternehmen und Universitäten aus dem In- und Ausland. Neben der TU Graz sind unter anderem die Stanford University, die University of California Berkeley und die Technische Universität München beteiligt. Auch große Industrieunternehmen wie AVL, Siemens Mobility, Infineon Technologies Austria und voestalpine Railway Systems bringen ihre Expertise ein.
Die Forschung soll nicht nur dem Straßenverkehr zugutekommen. Die entwickelten Technologien sind auch für den Bahnverkehr, die Schifffahrt, die Medizintechnik, den Energiesektor und sicherheitskritische Anwendungen vorgesehen.