Auf Österreichs Straßen rollen täglich unzählige Lastwagen. Gleichzeitig bleibt ein Verkehrsträger oft unterschätzt: die Binnenschifffahrt. Frachtschiffe können große Mengen an Gütern mit deutlich geringeren Emissionen transportieren als Lkw. Genau dieses Potenzial möchte ein neues europäisches Forschungsprojekt besser nutzen. Unter dem Namen "Herfried" soll die Binnenschifffahrt digital vernetzt und enger mit Bahn und Straße verbunden werden.
Geleitet wird das Projekt von FH-Professorin Lisa-Maria Putz-Egger vom Logistikum der Fachhochschule Oberösterreich am Campus Steyr. Gemeinsam mit 17 Partnern aus sieben europäischen Ländern erhält das Konsortium im Rahmen des EU-Forschungsprogramms Horizon Europe ein Budget von knapp 8 Millionen Euro. Rund 1,4 Millionen Euro entfallen auf die FH Oberösterreich.
Schon bei der Einreichung sorgte "Herfried" für Aufmerksamkeit. Der Förderantrag wurde von der Europäischen Union mit der Höchstpunktezahl von 15,0 bewertet – ein Ergebnis, das nur selten erreicht wird. Für das Forschungsteam ist das ein Vertrauensbeweis und die Grundlage für den Start des Projekts am 1. Oktober 2026. Die Laufzeit beträgt zunächst drei Jahre. Zum internationalen Konsortium gehören Partner aus Österreich, Belgien, Deutschland, Frankreich, Ungarn, den Niederlanden und Polen. Mit dabei sind Universitäten, Forschungseinrichtungen, Behörden und Unternehmen.
Im Mittelpunkt steht die Digitalisierung der Transportkette. Ziel ist es, dass Unternehmen, Logistikdienstleister, Behörden und Infrastrukturbetreiber schneller und einfacher Infos austauschen können. Daten sollen automatisch und grenzüberschreitend fließen, während Transporte in Echtzeit koordiniert werden. Lisa-Maria Putz-Egger: "Mit dem Forschungsprojekt 'Herfried' vernetzen wir die Binnenschifffahrt digital: Unternehmen, Logistikdienstleister, Behörden und Infrastrukturbetreiber arbeiten nahtlos zusammen. Informationen fließen über Grenzen hinweg automatisch, Abläufe werden in Echtzeit koordiniert – auch mit Bahn und Lkw."
Zu den Projektpartnern zählt auch die voestalpine. Der Industriekonzern nutzt den Rhein-Main-Donau-Korridor bereits intensiv für seine Transporte und betreibt in Linz einen Werkshafen. Das Unternehmen sieht in der Digitalisierung der Lieferketten einen wichtigen Schritt, um Transporte effizienter, transparenter und nachhaltiger zu gestalten. Im Rahmen von "Herfried" sollen neue Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette entwickelt und erprobt werden – von der Rohstoffbeschaffung bis zur Auslieferung fertiger Produkte. Gleichzeitig sollen datenbasierte Entscheidungen dazu beitragen, Lieferketten widerstandsfähiger zu machen.
Die neuen Technologien werden nicht nur theoretisch entwickelt, sondern in sieben Pilotprojekten entlang wichtiger europäischer Verkehrsachsen getestet. Dabei geht es sowohl um Stück- und Schüttgüter als auch um Containertransporte, bei denen verschiedene Verkehrsmittel miteinander kombiniert werden. "Herfried" baut auf bestehenden digitalen Plattformen auf und verbindet deren Daten mit übergeordneten Logistiksystemen. Gleichzeitig arbeiten auch Behörden am Projekt mit. Dadurch sollen gesetzliche Vorgaben, Standards und technische Regeln von Anfang an berücksichtigt und weiterentwickelt werden.
Neben technischen Lösungen richtet sich das Projekt auch an politische Entscheidungsträger. Nach Ansicht des Konsortiums braucht es geeignete Rahmenbedingungen, damit künftig mehr Güter den Weg auf Flüsse und Kanäle finden und weniger Transporte auf der Straße stattfinden. Lisa-Maria Putz-Egger sagt: "Wir schaffen die vollständige digitale Integration der Binnenschifffahrt in multimodale Logistikketten – von smarten Schiffen und Infrastrukturen über standardisierte Datenräume bis zu Verwaltung und Behörden."
Auch der Präsident der FH Oberösterreich, Michael Rabl, sieht in dem Projekt einen wichtigen Beitrag für den Wirtschaftsstandort. Eine zuverlässige und nachhaltige Logistik sei für ein exportorientiertes Bundesland wie Oberösterreich ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Hinter dem ungewöhnlichen Projektnamen steckt übrigens eine reale Person. Namensgeber ist Herfried Leitner, Geschäftsführer einer der größten Donaureedereien. Seine ursprüngliche Idee gilt als Ausgangspunkt für das Forschungsprojekt, das nun mit europäischer Unterstützung umgesetzt wird.
Mit einem Budget von knapp 8 Millionen Euro, 17 Partnern aus sieben Ländern und einer Laufzeit von drei Jahren soll "Herfried" zeigen, wie sich die Binnenschifffahrt durch Digitalisierung besser in Europas Logistik integrieren lässt. Das langfristige Ziel ist klar: mehr Güter auf den Wasserweg zu bringen und dadurch Straßen zu entlasten sowie Emissionen zu reduzieren.