Antonelli eilt in der Formel 1 von Sieg zu Sieg. Mercedes gewann alle sechs Rennen der laufenden "Königsklassen"-Saison, die letzten fünf gingen aufs Konto des italienischen Shootingstars. Der vor allem am letzten Wochenende seine Klasse unter Beweis stellte. Er zauberte im so wichtigen Qualifying zum Grand Prix von Monaco am Samstag eine Fabelrunde auf den Asphalt, er fuhr am Sonntag ein fehlerfreies Rennen, hielt auch dem Druck des prestigeträchtigen Grand Prix stand, auch die kuriose Rennunterbrechung wegen des aufbrechenden Asphalts belastete ihn nicht. Als bisher jüngster Fahrer holte er den sogenannten "Grand Slam" der Formel 1: also die Pole Position, die schnellste Rennrunde, natürlich den Rennsieg, und das mit ausschließlich Führungsrunden.
Nur logisch, dass der Italiener überlegen die Fahrer-Weltmeisterschaft anführt, bereits 66 Punkte Vorsprung auf Ferrari-Ass und Siebenfach-Weltmeister Lewis Hamilton hat – das sind mehr als zwei Rennsiege.
Experten überschlagen sich mit Lobeshymnen über den 19-Jährigen. So hatte Ex-Pilot Martin Brundle beim britischen Sky erklärt, Antonelli erinnere ihn an Formel-1-Ikone Ayrton Senna. Ähnliches war auch bei Sky Italia zu hören. In Antonellis Heimatland ist jedenfalls eine neue Formel-1-Euphorie ausgebrochen.
Das geht Mercedes-Teamchef und Antonelli-Förderer Toto Wolff jedenfalls schon zu weit. "Ich habe euren italienischen Sky-Kollegen gesagt, sie sollen den Ball flach halten. Ich habe schon wieder Schlagzeilen gesehen, dass seine Runde am Samstag wie eine Senna-Runde gewesen sei", hatte der Wiener beim deutschen Sky-Ableger durchaus kritisch auf die Lobeshymnen reagiert.
Danach betonte der Mercedes-Boss, dass man zwar über einen sensationellen Siegeslauf rede, aber auch nicht mehr – zumindest vorerst. "Wir sprechen hier über fünf Siege und nicht über drei Weltmeisterschaften", erklärte Wolff. Allerdings spricht die Statistik klar für den 19-jährigen Italiener. Er ist nämlich erst der zehnte Formel-1-Fahrer, der fünf Rennsiege in Serie holte. Und alle anderen neun sind Weltmeister: Von Michael Schumacher und Hamilton angefangen über Sebastian Vettel, Max Verstappen, Nico Rosberg, Nigel Mansell, Jim Clark, John Brabham bis hin zu Alberto Ascari.
Es werden aber "auch schwierige Zeiten kommen, in denen er Unterstützung braucht", meinte der Mercedes-Teamchef dann. "Wir können nicht erwarten, dass er jedes Rennen gewinnt", so der Antonelli-Förderer. Im Moment sieht es aber nicht nach Rückschlägen für den pfeilschnellen Teenager aus.